Snohetta Viewpoint

Die E6 überwindet auf ihrem Weg von Trondheim nach Oslo das Dovrefjell. Im Spätsommer 2021 hatte ich dort im Dovrefjell-Sundalsöra-Nationalpark Moschusochsen fotografiert. Siehe hier.

Diesmal, am 25.06.2023, reichte es leider nur zu einer verlängerten Mittagspause. Nahe Hjerkinn ist der Parkplatz zum Aussichtspunkt Snohetta ausgewiesen, der über eine Schotterpiste zu erreichen ist. Dort kann man sich über den Nationalpark informieren und die Aussicht genießen. Zu empfehlen ist der 20-minütige, gemächliche Aufstieg zum Aussichtspunkt Snohetta, der mit einer interessant gestalteten „Schutzhütte“ überrascht. Eine komplett verglaste Front gibt den Blick auf die Fjelllandschaft frei. Die Hütte ist nur zwischen 10. Juni und Mitte Oktober geöffnet und in dieser Zeit vom Visitor Centre Wild Reindeer personell besetzt.

Der Mitarbeiter, den ich in der „Hütte“ antraf, war sehr motiviert. Er zeigte auf Punkte in der Landschaft, die sich dann in seinem Feldstecher als Rentiere oder Moschusochsen zu erkennen gaben. Er informierte über die Besonderheit von Wildrentieren und von ihrer Gefährdung. Während im Norden Skandinaviens die Rentiere allesamt domestiziert sind, leben 90 % des europäischen Wildrentierbestandes um den Trondheimfjord und in den Fjellregionen südlich davon. Nach einer Erklärung der Norwegischen Regierung im Oktober 2022, müssen weitere Anstrengungen unternommen werden, um den Bestand der Tiere (ca. 25000) langfristig zu sichern.

Blick vom Aussichtspunkt auf die Snohetta (Bildmitte) im Dovrefjell. Sie ist mit 2286 m der höchste Berg Norwegens außerhalb Jotunheimens.

Entlang der E6

Ab Juni trifft man die hoch aufragenden Lupinen recht häufig. Die aus Nordamerika stammende Pflanze verbreitet sich gerne auf sonnigen Brachflächen und Lichtungen. Dort bildet sie zum Teil ausgedehnte Standorte und begeistert mit ihren hoch farbenprächtigen Kerzen. An Straßenböschungen wird sie auch zur Hangsicherung angepflanzt.

Am Trondheimsfjord angekommen bogen wir einmal mehr von der E6 ab. Auf der Halbinsel Inderöya fanden wir oberhalb der Ortschaft Straumen bei der Sakshaug Kirche einen optimalen Platz für die Mittagspause. Wir genossen die Ruhe und die herrliche Aussicht über den Trondheimsfjorden.

Reisetipp 1: Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass sich außerhalb oder am Rande von Ortschaften liegende Kirchen sehr häufig als ruhige Pausen- oder Übernachtungsplätze eignen.

Die Vorläuferkirche wurde 1180 errichtet. Als 1871 auf Inderöya eine neue Kirche gebaut wurde, hat man das Gebälk der alten verkauft. Die Kirche war dem Verfall preisgegeben. Erst 1910 wurde mit der Renovierungsarbeiten begonnen. Diese dauerten aber bis in die 50er-Jahre an.

Wir waren nun den 4. Tag auf der E6 in Richtung Süden unterwegs. Allerdings bogen wir immer wieder von der Hauptroute ab, um die Umgebung zu erkunden oder für eine längere Pause.

Reisetipp 2: Hier bietet es sich an, einen Blick auf die ganze Strecke und die erforderliche Fahrzeit zu werfen, zumal sich selbst unter eingefleischten Nordlandfahrern „Weisheiten“ aus längst vergangenen Tagen hartnäckig halten.

Gerade jene preisen als schnellste Route zwischen Oslo und Tromsö die 1740 km lange Strecke über Mittelschweden an, die auch Google mit gut 22 Std Fahrzeit als schnellste Verbindung ausweist. Dennoch, es ist schlicht falsch.

Ich habe in den letzten drei Jahren alle Routen, auch die Ostsee-Route befahren, und kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die vom ADAC ausgewiesene direkte Route über die E6 mit 1618 km die kürzeste und mit rund 21,5 Std. Fahrzeit – zumindest außerhalb der Saison – auch die schnellste ist.

Doch wovon reden wir eigentlich? Was ist der Sinn solcher Diskussionen, die in unterschiedlichen Foren immer wieder geführt werden? Für mich gelten bei Reisen andere Kriterien für die Routenwahl. Natürlich wird man im Rahmen einer Reiseplanung auch immer wieder auf eine kurze und schnelle Streckenführung achten, aber kommt es bei einer Strecke von rund 1700 km auf eine halbe Stunde theoretisch errechneter Fahrzeit an?

Ich kann die Route über die E6 nur empfehlen. Sie ist wesentlich abwechslungsreicher als der Weg durch Mittelschweden, wo man durchaus auch mal den ganzen Tag durch Moore und Wälder fahren kann. Entlang der E6 wechseln sich hingegen landschaftlich genutzte mit alpinen Regionen und Küsten mit Wäldern ab. Eines sollte man jedoch wissen: Obgleich die E6 auch heute schon gut ausgebaut ist (als ich 1976 auf dieser Strecke zum ersten Mal unterwegs war, sah das noch völlig anders aus), wird nördlich von Trondheim über hunderte von Kilometern eine neue Trasse angelegt. Hier kann es während der Hauptreisezeit durchaus zu Stauungen kommen.

Abschließend möchte ich festhalten: Wer es drauf anlegt kann von Oslo nach Tromsö durchfahren. Solchen Blödsinn habe ich in jungen Jahren auch gemacht. Selbst auf zwei Tage verteilt, ähnelt die Streckenbewältigung eher einem Blindflug, denn einer Reise. In 3 Tagen ist die Strecke ohne größere Pausen gut zu bewältigen. Ab 4 Tagen bleibt Zeit für Besichtigungen und ab 5 Tagen sind Abstecher links und rechts der Route möglich.