Abschied von der Südinsel

Donnerstag, 23. März

In den letzten Tagen haben wir im Norden der Insel die Seite gewechselt. Wir sind quasi von Collingwood im Westen nach Picton im Osten der Insel „umgezogen“.

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Zu Collingwood, am Ende der Golden Bay gelegen, habe ich mich ja bereits geäußert, zur Golden Bay und der Region muss ich noch etwas nachlegen. Die Golden Bay ist eine herrliche, langgezogene Bucht, die zum Baden einlädt aber einen entscheidenden Nachteil aufweist, sie liegt am Arsch der Welt. Das herrliche Tal, dessen Ende die Golden Bay markiert, ist durch die Takaka Hills vom Rest der Insel, nein vom Rest der Welt, abgehängt. Das ist, als müsse man von uns aus über eine 1300 m hohe Passstraße nach Talheim fahren, dort aber, dank dem Südpazifik, die Welt zu Ende wäre. Dem entsprechend nehmen entlang der Golden Bay zwar die Ferienhäuser zu, ansonsten ist jedoch Landflucht vorherrschend.

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Unser erster Haltepunkt auf dem Weg nach Osten waren die Te Waikoropupu Springs. Hierbei handelt es sich um eine Karstquelle alla Blautopf, die für sich in Anspruch nimmt, das klarste Wasser weltweit auszuspucken. Immerhin 14 m^3 je Sekunde.

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Hinter dem Pass, zischen Motueka und Nelson sind Obst-, Gemüse- und Hopfenanbau und zunehmend auch Weinbau vorherrschend. Dies liegt daran, dass diese Region klimatisch absolut begünstigt ist.  Durch die Südalpen von polaren Kälteeinbrüchen geschützt, sorgt vom Norden her der Pazifik für ein ausgeglichenes Klima.

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Das wirtschaftliche Zentrum im Norden ist Nelson. Nelson ist eine Industriestadt, in deren Randlagen es jedoch schöne Wohnsiedlungen gibt, die sich die Berge empor ziehen, mit Meeresblick versteht sich.

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Je weiter man nach Osten kommt, desto auffälliger werden die großflächigen Rodungen des ursprünglichen Urwalds, der einer fragwürdigen Monokultur weichen muss.

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Spätestens in Havelock, der Hauptstadt der grünen Muschel, ist man endgültig in den Sounds angekommen, die uns mit ihrer herrlichen Landschaft begeistert haben. Nachfolgend der Blick in der Abendsonne entlang des Pelorus Sounds.

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Von hier aus war es nicht mehr weit, bis ein ankerndes Kreuzfahrtschiff das Hafenstädtchen Picton ankündigte. Gleichzeitig löste sich auch das Rätsel um die Kahlschläge auf. Das hier eingeschlagene Holz geht offensichtlich in den Export. Damit drängt sich die Frage auf: Ist Neuseeland über den Status eines Entwicklungslandes noch nicht hinaus gekommen?

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Picton, am Ende des Queen Charlotte Sounds traumhaft gelegen, wäre ohne die Fähre nach Wellington sicher in absoluter Bedeutungslosigkeit versackt. So erfreut sich das Städtchen einer beschaulichen Betriebsamkeit.

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Und für Rose schien endlich der Traum in Erfüllung zu gehen, mit Delphinen zu schwimmen. Tour gebucht und los geht’s.

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Auf der Suche nach Delphinen klapperte die Crew den gesamten Queen Charlotte Sound ab

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und wurde endlich fündig. Eine Gruppe Hectordelphine zeigte reges Interesse an unserem Boot. Da die Gruppe jedoch Nachwuchs hatte, war an Schwimmen nicht zu denken.

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Die weitere Suche blieb leider ohne Erfolg, so dass für Rose dieser Traum weiterhin unerfüllt blieb.

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Folgt man der Küstenlinie von Picton über Waikawa, gelangt man über einsame Buchten in das bekannte Weinbaugebiet um Blenheim (Marlborough Region).

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Eines ist sicher, im Vergleich dazu müssen unsere Winzer wirklich hart arbeiten, um zu ihrem Tropfen zu kommen.

Am Ende schließt sich der Bogen und wir verabschieden uns von der Südinsel mit dem verrückten Huhn Takahe.

Farewell Spit

Die Landzunge Spit erstreckt sich direkt neben dem Cap Farewell, dem nördlichsten Punkt der Südinsel, über mehr als 30 km hinaus in die Cook Strait. Ihre Breite misst dabei gerade einmal mehrere 100 m. Ihre Entstehung verdankt „The Spit“ der Erosion der Südalpen. Jährlich werden 3500 m^3 Sand, die dort ins Meer gespült wurden, von Meeresströmungen zum Spit transportiert und abgelagert. Das jährliche Wachstum der Landzunge beträgt 2 m. Auf der Innenseite der Landzunge hat sich ein riesiges Feuchtgebiet entwickelt, das für Zugvögel, die zwischen den beiden Polgebieten pendeln, von überragender Bedeutung ist. Die Landzunge wurde deshalb als „Nature Reserve“ unter absoluten Schutz gestellt und kann nur mit einer geführten Tour besucht werden. An einer solchen Tour habe ich teilgenommen.

Wir starteten morgens um 6:30 Uhr in Collingwood, einem Örtchen am Ende der Golden Bay. Der Flecken, der heute vielleicht aus 3 Dutzend Häusern besteht, war während der Goldrauschzeit 1856 als mögliche Hauptstadt Neuseelands vorgeschlagen worden. Als wir „The Spite“ erreicht hatten, hatte sich die Sonne gerade mal vom Horizont gelöst. Der Tourbus bretterte nahe der Wasserlinie über das Sandwatt. Häufig musste das Tempo verringert werden, um „quicksands“ auszuweichen oder über einen kleinen Priel zu holpern. An interessanten Stellen oder zur Vogelbeobachtung wurde angehalten.

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Ein Robbenbulle fühlte sich durch die Anwesenheit des Busses in seiner Lethargie gestört und robbte einen beeindruckenden Blitzangriff in Richtung Bus.

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Am äußeren Ende der Landzunge befindet sich eine Basstölpel-Kolonie. Dies ist die einzige Kolonie Neuseelands, in der diese Vögel auf Meereshöhe brüten. Leider konnten wir das Spektakel nur aus großer Distanz beäugen. Auch die Zahl der Basstölpel, die sich im Fluge zu uns verirrten, war entsprechend gering.

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Am Leuchtturm, der mit seinen 30 m Höhe der höchste Neuseelands sein soll, besichtigten wir bei einer Tasse Kaffee das kleine Museum, das im alten Leuchtturmwärterhaus eingerichtet wurde. Dort erfuhren wir einiges über hier gestrandete Wale. Die letzte größere Walstrandung, die für internationales Aufsehen gesorgt hatte, ereignete sich anfangs Februar dieses Jahres. Als Erinnerung an derartige Ereignisse wurde bereits vor vielen Jahren ein Wal-Skelet aufgestellt.

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Auf dem Rückweg machten wir noch einen Stopp, um Sanddünen  zu fotografieren.

Ein weiterer hochinteressanter Haltepunkt lag nahe dem Cap Farewell. Ein Aufschluss zeigt hier einen Schnitt durch ein 15 Millionen Jahre altes  Flussbett, das durch tektonische Verschiebungen von massiven Gesteinsformationen überdeckt wurde.

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Letzter Halt war dann der obligatorische Aussichtspunkt auf das Cap Farewell.

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