Monteriggioni

Schon mehrfach fuhren wir auf der Schnellstraße nach Siena an der beeindruckenden Kulisse von Monteriggioni vorbei, diesmal wollten wir die mittelalterliche Burganlage endlich besichtigen.

Obiges Bild hatte ich bereits am Vorabend aufgenommen. Als ich die Anlage am Morgen betrat, waberte noch der Nebel über die Dächer, doch bald schon setzt sich die Sonne durch und sorgte für einen ungetrübten Blick.

Siena errichtete diese Befestigungsanlage von 1213 bis 1219 als vorgeschobenen Beobachtungsposten, um die Grenze zur Republik Florenz besser im Blick zu behalten. In der Folgezeit kam es zwischen den Stadtstaaten wiederholt zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Die kreisförmige Befestigungsanlage mit einem Durchmesser von 172 m umschließt den historischen Stadtkern. Heute sind noch 11 von 14 Wehrtürmen der Stadtmauer nahezu vollständig erhalten und verleihen der Anlage ihr charakteristisches Erscheinungsbild.

Die Bebauung im Innern wird von der Kirche Santa Maria Assunta beherrscht, die nach Fertigstellung der Befestigungsanlage am Marktplatz errichtet wurde. Im Haus daneben ist ein Museum untergebracht. Alle anderen Gebäude werden als Läden oder Kneipen genutzt, etwas anderes ist auch kaum zu erwarten.

Via Chiantigiana

Die Via Chiantigiana bietet immer wieder schöne Ausblicke über die alte Kulturlandschaft des Chianti. Doch nicht nur Weinberge, auch Olivenhaine und Zypressenalleen gehören zum Landschaftsbild.

Zur Mittagszeit passierten wir Panzano. Gerade noch rechtzeitig realisierten wir den Menschenauflauf am Fahrbahnrand. Dort hatte sich bei einem kleinen Parkplatz der Cecchini Panini Truck aufgestellt.

Der von einer ortsansässigen Metzgerei betriebene fahrbare Grilltruck ist in dieser Region offensichtliche eine Institution, denn er hat es bereits zu einem Eintrag in Google Maps geschafft und abgesehen davon sprachen die Menschen, die in Scharen hier zum Mittagessen einfielen, Bände. Panini mit diversen Fleischvariationen, Grünfutter und verschiedenen Soßen gab es im Angebot und natürlich Chianti. Kurz entschlossen nutzten wir den letzten freien Parkplatz, denn der Futterneid war geweckt. Unser Fazit: absolut empfehlenswert.

Wenige Kilometer weiter, in Castellina in Chianti, legten wir den nächsten Stopp ein. Die Bebauung erstreckt sich entlang eines Bergrückens. Der kleine Platz vor der Chiesa di San Salvatore ist das Beste was das Örtchen zu bieten hat, danach beginnt eine austauschbare Touristenmeile auf die man verzichten kann.

Auf einem empfehlenswerten Stellplatz in Monteriggioni checkten wir für die Nacht ein. Die Besichtigung der Burganlage hatten wir uns für den nächsten Tag vorgenommen.

Greve in Chianti

Greve ist ein kleines, ursprüngliches Städtchen an der Via Chiantignana, der Panoramastraße durch die Hügel des Chianti. Winkelige Gassen und sein dreieckiger, von Arkaden gesäumter Marktplatz zeichnen die historische Bebauung aus.

Ein Besuch in der Metzgerei Falorni ist selbst Vegetariern zu empfehlen, wenn sie die von Prosciutto und Salami geschwängerte Luft in den Verkaufsräumen aushalten.

Auf dem Marktplatz erinnert ein Denkmal an den bekanntesten Sohn der Stadt, Giovanni Verrazzano. Dieser war von 1524 an für den französischen König als Entdecker unterwegs, erforschte die nordamerikanische und brasilianische Küste, bis er unter ungeklärten Umständen 1528 auf den Antillen ums Leben kam.

Der Marktplatz und die Gassen drumherum eignen sich natürlich auch für Streetfotografie. Ob der Chirurg, der zur Transplantation auf den Schinken wartet, die Frau, die mit flüchtigem Blick den Vergleich zu ihrem Mann sucht oder die unschuldigen Kindlein am Gängelband, die Stadt zeigt viele Facetten.

Interessant sind noch die beiden runden Embleme am Gebäude der Touristeninformation. Der bekannte schwarze Hahn weist darauf hin, dass Greve im zertifizierten Anbaugebiet des Chianti Classico liegt. Die Schnecke links davon gibt die Stadt als Mitglied der Bewegung „Cittaslow“ aus. Diese wurde 1999 von Paolo Saturnini, einem ehemaligen Bürgermeister Greves, ins Leben gerufen. Kommunen unter 50 000 Einwohner können dieser inzwischen internationalen Bewegung beitreten. Den Ausgangspunkt bildete der Slow Food Gedanke. Dieser wurde rasch auf die Förderung lokaler, hochwertiger Speisen und Getränke, die Bewahrung von Brauchtum und Geselligkeit und den Widerstand gegen kulturelle Normierung erweitert. Das kann man nur unterstützen.

Vom Chianti in die Maremma

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Castello di Brolio

Das Castello di Brolio gilt als Symbol für die Weinbauregion Chianti Classico. Bereits seit 1141 ist das Castello im Besitz der Familie Ricasoli. Seit 1993 betreibt hier Baron Francesco Ricasoli den Weinbau nach einem Konzept nachhaltiger Bewirtschaftung. Mit der Rückbesinnung auf die alten Rebsorten wurde Ricasoli zum Motor einer Bewegung, die sich den qualitativ hochwertigen Ausbau des Chianti Classico auf die Fahnen geschrieben hat. Das Weingut Ricasoli ist das größte im Anbaugebiet Chianti Classiso und eines der ältesten weltweit.

Vom Castello aus schweift der Blick weit hinaus über die Weinberge.

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Von unserer Unterkunft Podere Casato genossen wir diese herrlichen Lichtspiele.

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Der Ombrone, der hier im Hügelland des Chianti entspringt, durchschneidet auf seinem Weg nach Süden die Crete Senesi, bevor er die Maremma mit Wasser versorgt und unweit von Grosseto ins Meer mündet. Wir folgten dem Flusslauf gen Süden. Am Oberlauf des Flusses besuchten wir die Abbadia di Ombrone. Gegründet 867, war sie eine der ältesten Klosteranlagen des Chianti. Heute ist die Anlage im Privatbesitz.

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Auf unserer Fahrt durch die Crete Senesi passierten wir südlich von Asciano diesen herrlichen Landsitz, der heute als Hotel umfunktioniert ist.

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Das schmale Sträßchen, das in seinem weiteren Verlauf den Bergrücken folgte, bot immer wieder spektakuläre Aussichten.  Die Abbazia di Monte Oliveto Maggiore, deren Kreuzgang für seine Fresken bekannt ist, verfügt auch über eine tolle, alte Allee. Für mich das schönste Motiv.

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Im südwestlichsten Zipfel der Maremma, faszinierte uns das kleine Städtchen Capalbio, dessen Häuser wie Schwalbennester auf einem Hügel kleben. Unweit des Städtchens befindet sich der Tarotgarten, der eine Besichtigung lohnt. Siehe auch: Giardino dei Tarrocchi

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Westlich von Grosseto zeigte sich unsere Lieblingsallee wieder einmal in einem ganz neuen Licht.

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Weitere Berichte zur Toskana: ToscanaHerbst in der ToscanaStrandfüchse, Giardino dei Tarrocchi, Faszination Toscana: Siena