The Rocket

Wer auf der B 27 von Ludwigsburg nach Bietigheim-Bissingen fährt, dem sticht schon vor dem Ortseingang eine Kirche ins Auge, deren Turm sich einer Raketenabschussrampe gleich in den Himmel reckt.

Der auffällige Sakralbau ist seit September 2019 Heimat der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien, die in Deutschland rund 100 000 Mitglieder zählt. Von diesen leben 2000 in Bietigheim-Bissingen und Umgebung. Bis die Gemeinde ihr neues Domizil einweihen konnte, musste sie einiges aushalten, denn wie in Deutschland üblich, gab es anhaltende Proteste aus der Bürgerschaft. Doch die sind heute Geschichte.

Der Name der Kirche steht in deutscher und aramäischer Sprache über dem Eingang. Übrigens ist die Kirche von Antiochien, laut Wikipedia, nach der Urgemeinde in Jerusalem die zweitälteste christliche Gemeinde überhaupt. Auf sie soll die Bezeichnung „Christen“ für die Gläubigen zurückgehen.

Gegen das kollektive Vergessen

Selbst wenn es um den Umweltschutz geht, meint die Opposition, unsere Regierung vorführen zu können. Es sollte aber nicht darauf ankommen, wer am lautesten schreit, sondern auf die Fakten. Entscheidend ist doch in einer Demokratie, wer für welche Gesetze stimmt. Da bin ich dem NABU dankbar. Der veröffentlichte in der Frühjahrsausgabe 2024 seines Heftes „Naturschutz heute“ das Abstimmungsverhalten der deutschen Abgeordneten im EU-Parlament bei den beiden wichtigen Gesetzen zum Umweltschutz in dieser Legislaturperiode.

Dieses Abstimmungsverhalten sollten wir alle im Hinterkopf behalten und das nicht nur bei den Europawahlen. Denn hier zeigt sich, was das Wort bestimmter Politiker wert ist.

Im Prachtkleid

Das Prachtkleid der Vögel zeigt an, dass sie während der Balz- und Brutzeit offensichtlich einen Hormonschub erleben, der ihr Verhalten erheblich beeinflusst. Bei dem Stockentenpärchen, das sich in unseren Gartenteich verirrt hatte, konnte man das gut beobachten. Die nachfolgende Story ist natürlich frei erfunden und jenseits jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis.

Unser erhabener Erpel wollte seine liebliche Lady mit einem abgelegenen Eigenheim für sich gewinnen. Hier würde ihm kein anderer Artgenosse die Geliebte ausspannen, so seine Überlegung.

Doch die Auserwählte testete das Tiny Haus auf Herz und Nieren.

Da verfehlte selbst der Schlafzimmerblick unseres Erpels seine Wirkung. Denn dem wachsamen Auge seiner Lady entging nichts.

Und so blieb ihm nach einem Tag des Probewohnens nichts anderes übrig, als gemeinsam mit seiner Lady den Rückzug aus der unzulänglichen Bleibe anzutreten.

Überraschungsgäste

Heute beim Mittagessen entdeckte ich ein Pärchen Stockenten in unserem Gartenteich. Ihre Landung hatten wir nicht bemerkt. Sie blieben den ganzen Tag und erweckten den Eindruck, als wollten sie bleiben. Darf ich die Schönheiten kurz vorstellen? Später gibt es dann mehr zu sehen.

Kunst am Kaiserstuhl

Der Kaiserstuhl ist, aller Trassierungen zum Trotz, bei vielen Naturfotografen wegen seiner speziellen Biotope bekannt. Hier bekommt man Kolonien der Bienenfresser, Smaragdeidechsen, Gottesanbeterinnen, seltene Orchideen und vieles mehr vor die Linse. Nicht aber im Februar. Deshalb macht ein Ausflug in die Welt der Kunst durchaus Sinn.

Wir besuchten die Kunsthalle Messmer in Riegel. Die ist stilvoll im Schloss der ehemaligen Riegeler Brauerei untergebracht. Diese stellte 2003 den Betrieb ein. Die Marke „Riegeler Bier“ blieb jedoch erhalten. Allerdings wird das Bier heute von der Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei in Donaueschingen gebraut.

In der Kunsthalle Messmer besichtigten wir die Chagall-Ausstellung „Geträumte Welten“. Doch was uns überrascht und deshalb besonders begeistert hat, fanden wir im Nebenraum für moderne Kunst. Dort waren unter anderem Objekte des chinesischen Künstlers Zhuang Hong – Yi ausgestellt. Der studierte in Peking und den Niederlanden, wo er sich von den Tulpenfeldern inspirieren ließ. Heute lebt er zusammen mit der Künstlerin Lu Luo abwechselnd in der Schweiz oder in China.

Abertausende Röllchen aus Reispapier werden von ihm gefaltet, bemalt und zu Objekten zusammengefügt, dessen Farben sich je nach Betrachtungswinkel verändern.

Der japanische Künstler Tashiyuki Miura überzeugte uns mit seinen Lichtkugeln.

Begeistert hat uns auch die Skulptur „Mickey Assis Golfeur“ des belgischen Künstlers Xavier Wttrwulghe.

Die Galerie war sehr gut besucht. Die Besucher kamen aus der Schweiz, aus Frankreich und natürlich auch aus Deutschland. Für alle Vespa-Fans unter euch, die nächste Ausstellung, „Bella Italia“, widmet sich diesem Kultobjekt. Hier der Direktlink.

Alle gezeigten Innenaufnahmen sind Handybilder, da das Fotografieren mit normalen Kameras in der Kunsthalle leider verboten war..

Street Art Museum MAUSA Vauban

Die von 1698 bis 1704 von Vauban errichteten Festungsmauern umschließen den Ort Neuf-Brisach vollständig. Auch wenn einen der Ort auf den ersten Blick nicht vom Hocker reißt, so ist dieses bauliche Gesamtarrangement doch einmalig. Absolut sehenswert ist jedoch das Museum für Urban Art und Street Art MAUSA, das seit 2018 in den Kasematten des UNESCO-Weltkulturerbes untergebracht ist.

Gleich am Eingang zieht ein über Eck gemaltes Porträt das Interesse auf sich und macht neugierig auf das was noch kommt.

Lange schmale Gänge erschließen über zwei Flügel zahlreiche Räume. Platz genug, um der Kreativität von ca. 30  KünstlerInnen freie Entfaltung zu ermöglichen. Clementine Lemaitre und Stanislas Belhomme, die Gründer des MAUSA stießen mit ihrer Idee anfänglich auf Skepsis. Würden sich Street Art Künstler in einem Museum zähmen lassen? Doch der Erfolg gibt ihnen Recht.

Das Konzept der Ausstellungsmacher überzeugt. International renommierte Künstler der Szene werden eingeladen, ihre Spuren zu hinterlassen. Ihre Werke werden für ca. 5 Jahre erhalten, dann wird die Fläche für neue Projekte freigegeben. So ist das Museum einem ständigen Wandel unterzogen und die Chancen sind gut, dass man Künstler bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist die beeindruckende Vielfalt, die auf diese Weise generiert wird.

Zum Abschluss noch ein Schmankerl: Die Frage, ob sich Vauban über sein Porträt gefreut hätte, das der Künstler C215 alias Christian Guény auf Vaubans altem Gemäuer aufgetragen hat, stellt sich nicht wirklich. Immerhin taugen die Wände noch heute als Bildträger, während sie ihren eigentlichen Zweck, uneinnehmbar zu sein, nie erfüllt haben.

Wichtiger Hinweis: Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Dies betrifft einerseits die Rechte des Museums „Copyright MAUSA Vauban“ sowie meine Rechte als Fotograf. Das Kopieren auch von Teilen ist nicht gestattet.

Mit dem Link @mausa.streetart geht es direkt zum Museum.

Ludwigs Erbe

Dieser Tage waren wir wieder einmal am Bodensee unterwegs. Da die Städte Meersburg und Überlingen recht überlaufen sind, steuerten wir für einen Spaziergang am Seeufer die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen an. Der Ort hat mit seinem alten badischen Zollhaus nicht nur historisch, sondern auch künstlerisch etwas zu bieten. Dazu trägt insbesondere der ortsansässige Künstler Peter Lenk bei.

Bekannt ist Lenk für seine gewaltigen Plastiken aus Gussbeton mit denen er in satirischer Weise auf Missstände in der Gesellschaft hinweisen möchte. Insbesondere im süddeutschen Raum sind seine Kunstwerke weit verbreitet. So hat er 2008 mit dem Triptychon „Ludwigs Erbe“ die Außenwand der öffentlichen Toilette am alten badischen Zollhaus in seiner Heimatstadt Ludwigshafen am Bodensee gestaltet. In der für ihn typischen Weise setzte er sich mit der Entwicklung des Ortes bis in die Neuzeit auseinander.

Wegen der nackten Darstellung namhafter Größen aus Politik, Wirtschaft und Kirche sorgte insbesondere die dritte Tafel des Werkes bundesweit für Wirbel. So erkennt man unter dem Banner „Global Players“ Hans Eichel, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle, die sich an die Geschlechtsteile fassen. Weiterhin sind bekannte Top-Manager abgebildet, die im Geld baden. Dargestellt sind Josef Ackermann, Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Schwurhand, der ehemalige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Ex-EnBW-Chef Utz Claassen.

In Ludwigshafen gibt es aber noch mehr zu bestaunen, so dass sich ein Besuch allemal lohnt und ein gutes Restaurant ist auch gleich um die Ecke.