Höga Kusten 1

21. August 2021, Högakusten: Abseits der E4, der Transitroute nach Norden, sichteten wir wieder einmal ein sehr schönes Gehöft. Diesmal hielt ich an, um zu Fotografieren. Als der Besitzer bemerkte, dass jemand mit Kamera um sein Grundstück pirschte, sattelte er sein Quad und sah nach dem Rechten. Was folgte war ein sehr nettes Gespräch und die Einladung, sein Haus auch aus der Nähe fotografieren zu dürfen. Vor 20 Jahren, erzählte er, hätten sie den alten Hof, der lange leer stand, gekauft und vollständig renoviert. Energetisch ist er mit einer großen Fotovoltaikanlage und dem Brennholz aus dem eigenen Wald unabhängig. Inzwischen 77 Jahre alt, freut er sich täglich über sein herrliches Anwesen und wenn ihn seine Enkel aus Stockholm oder England besuchen kommen.

Wieder auf der E4 passierten wir bei Utansjö die Brücke über den Angermanälven. Die Högakustenbron ist mit 1867 m Länge und einer Spannweite von 1210 m eine der längsten Brücken Schwedens. An der Tragekonstruktion der Brücke wurden gerade Kontrollarbeiten durchgeführt. Bei ordentlichem Wind hingen Arbeiter an Seilen in luftiger Höhe. Sicher ein gewöhnungsbedürftiger Arbeitsplatz.

Unser erstes Ziel an der Hohen Küste war Fällsvikshamnen, eine Ansammlung alter Fischerhütten. Hier hatt der Aufkauf alter Hütten und deren Ausbau zu Feriendomizilen wohl erst begonnen. Neubauten an den Berghängen waren bereits mehrere vorhanden.

Altes Blech

Nördlich von Sundsvall trafen wir einen amerikabegeisterten Autonarren. Ein netter Kerl, der voll auf die Sprit fressenden alten Straßenkreuzer abfuhr. Das Haus dahinter hatte er bereits zum Abriss vorbereitet. Dort sollte ein neues Haus entstehen und insbesondere eine große Garage.

Auf nach Norden

20. August 2021:

Skogs Kirche: Die Ruine zeigt die restaurierten Überreste der um 1325 entstandenen Kirche. Die ausgesprochen schöne Lage der Kirche, in unmittelbarer Nähe zum See, wurde ihr zum Verhängnis. Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Kirche mehrfach vom Hochwasser überflutet und beschädigt, so dass sie im 17. Jahrhundert aufgegeben werden musste.

Världsarvet ist einer der zahlreichen alten, restaurierten Hälsinghöfe, die man in der Gegend um Bollnäs vorfindet. Die Bauern des Hälsinglandes kamen im 18. und 19. Jahrhundert zu derartigem Wohlstand, dass sie oft mehrere Häuser errichtet haben. Diese wurden nicht alle bewohnt, sondern nur zu besonderen Anlässen genutzt. Deshalb blieben sie auch gut erhalten. Weit verbreitet war ein Festhaus, dessen Räumlichkeiten für Feste unterschiedlicher Größe und Bedeutung ausgelegt waren. Alle Räume waren für die damalige Zeit mit modernstem Raumdesigne ausgestattet. So kamen Tapeten zum Einsatz, deren Ornamente mit der damals neuen Schablonentechnik gefertigt worden waren. Zusätzlich wurden die Räume mit Wandgemälden im Stil des Rokoko und mit klassischen Ornamenten geschmückt. Das Festhaus auf Världsarvet verfügt über vier Festsäle, ein Brautschlafzimmer und eine Küche. Einer der Festräume war religiösen Feiern vorbehalten.

Das Festhaus.

Der niedere Festsaal im Erdgeschoss.

Links die erste originale Tapete, noch aus Leinengewebe. Rechts die restaurierte Papiertapete mit demselben Muster.

Der hohe Festsaal im oberen Stockwerk.

Gripsholm

19. August 2021 Gripsholm: Das alte Schloss der Vasakönige liegt westlich von Stockholm auf einer kleinen Halbinsel im Mälaren, einem Seengebilde von der doppelten Größe des Bodensees. Das Schloss wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Gustav Vasa erbaut.

Bilder oben: Das alte Königspaar kehrt zurück. Kanonen im Innenhof und deren prächtige Verzierung.

Gripsholm ist von einer Parkanlage mit altem Baumbestand umgeben.

Von hier blickt man hinüber nach Mariefred, einem kleinen Ort, der mit der Erbauung des Schlosses entstanden ist.

Vor Schloss Gripsholm wurden zwei  Runensteine aufgestellt. Sie gehören zu einer Reihe von 26 Steinen aus dem 11. Jahrhundert, die im Raum des Mälaren gefunden wurden. Diese wurden gefertigt, um jenen zu gedenken, die auf dem Vikingerfeldzug zum Kaspischen Meer ums Leben kamen. Der nachfolgende Stein ist Harald gewidmet.

An der Schärenküste

17. und 18. August 2021, Källbukten: Unweit der Stelle, wo der Götakanal die Ostküste erreicht, fuhren wir von Söderköping aus hinaus in den Schärengarten, der sich vor St. Anna weit in die Ostsee hinein erstreckt. Der erste Campingplatz, den wir anfuhren, überzeugte uns so, dass wir blieben.

Am späten Nachmittag zog ein heftiges Gewitter mit ergiebigem Platzregen auf. Nach dem Regen hing Nebel zwischen den bewaldeten Schären und die untergehende Sonne zauberte daraus eine ganz besondere Lichtstimmung.

Anderntags ging es dann mit Kajak und Kamera hinaus in den Schärengarten. Die unzähligen kleinen und kleinsten Inselchen wollten erkundet sein.

Auf den ersten Blick gewinnt man den Eindruck, als wären alle Schären mit Wochenendhäusern bebaut. Ganze Ferienhaussiedlungen überziehen die felsige Inselwelt in lockerer Bebauung.

Die meist idyllisch gelegenen Anwesen täuschen allzu gerne darüber hinweg, dass es hier nicht um eine heile Welt, sondern um die totale Zersiedelung einer sensiblen Landschaft geht. Schön ist es dennoch und das ist wohl das Problem.

Die Bebauung der Schären beschränkt sich auf den festlandsnahen, bewaldeten Bereich. Je näher man dem offenen Meer kommt, desto weiter geht die Bewaldung zurück. Schließlich ragen nur noch kahle Inseln aus dem Wasser.

Götakanal

16. August 2021: Auf unserer Weiterfahrt passierten wir gleich bei Blidingsholm eine alte Steinbrücke. An einem Brückendurchlass waren Vorrichtungen angebracht, um Netze in das ablaufende Wasser zu hängen. An den anderen Durchlässen konnte der Abfluss geregelt und somit den Fischen der Weg verlegt werden. Sicherlich eine effektive und ganz entspannt Art, Fische zu fangen.

In Eksjö nutzten wir die Mittagspause für einen Bummel durch die 1568 nach einem Brand neu errichtete Altstadt. Die Gamla Stan von Eksjö besteht aus einer der vollständigsten Holzhausbebauungen Schwedens. Was aber noch viel wichtiger ist, alle Häuser wurden einer vernünftigen Nutzung zugeführt.

In Motala erreichten wir den Götakanal. Vorbei am Götahotel in Borensberg fuhren wir weiter zur Schleusentreppe von Berg. Diese gilt als der spektakulärste Kanalabschnitt.

Vom Roxensee kommend werden die Schiffe hier in sieben aufeinanderfolgenden Schleusen um 28,8 m angehoben.

Danach folgt gleich noch eine weitere Doppelschleuse.

Der Götakanal verbindet über eine Gesamtstrecke von 190 km die an der Westküste gelegene Stadt Göteborg mit der Ortschaft Mem, die südlich von Stockholm an der Ostküste Schwedens liegt. Dazwischen sorgen 58 Schleusen für den erforderlichen Höhenausgleich. Der Kanal verläuft durch mehrere Seen, doch 87 km mussten ausgegraben werden bevor er 1832 in Betrieb gehen konnte. Der Götakanal hat heute nur noch eine touristische Relevanz.

Asnensee

12. bis 15.08.2021, Campingplatz Getnö Gard: Die empfehlenswerte Anlage bietet Stellplätze in naturbelassenem Gelände. Ein Teil des Sees mit seiner herrlichen Insel- und Schärenwelt wurde 2018 als Nationalpark ausgewiesen. Der Asnen gilt als Paradies für Angler und Paddler. Bei meinen Erkundungstouren mit dem Kajak konnte ich Fischadler beobachten. Für vernünftige Fotos war allerdings die Entfernung zu groß.

Ales Stenar

Mittwoch, 11. August 2021: Auf einem Dünenrücken, der zur Ostsee hin steil abfällt, liegt oberhalb des Örtchens Kaseberga die größte Schiffsetzung Skandinaviens, Ales Stenar. Aus 59 Felsblöcken wurde hier ein Langschiff mit 67 m Länge und 19 m Breite gestaltet. Die Steine bringen es auf eine Masse zwischen 0,5 und 1,8 Tonnen.

Die imposante Schiffsetzung wurde auf die frühe Eisenzeit (500 – 1000 n. Chr.) datiert. Ihre Bedeutung ist noch nicht abschließend geklärt. Während die meisten Vertreter der Wissenschaft von einer Grabstätte ausgehen, wird aus dem Lager der Amateurarchäologen die Theorie einer astronomischen Uhr vertreten.

Wie so oft bei solchen Sehenswürdigkeiten drängen sich die Leute am Abend und morgens bei Sonnenaufgang kann man alles in Ruhe auf sich wirken lassen.

Doch auch der Abend hat seine Vorteile. Da kann man die Gleitschirmflieger bei ihren akrobatischen Flugübungen bestaunen. Bei auflandigem Wind bildet sich an der Steilküste eine stehende Welle aus, die man nach Belieben absurfen kann.

Da müssen auch die griechischen Mythen neu geschrieben werden, denn Ikarus ist nicht abgestürzt, er lebt!

Bei Sonnenuntergang verabschieden sich die Akteure dann von ihren Zuschauern, denn danach bricht oft der Wind zusammen und heimlaufen möchte von denen keiner.