Fjällbacka

Es gibt sie noch, die Berufsfischer an der westlichen Schärenküste, doch ihre Zahl ist auch hier total eingebrochen. Es kommt vor, dass man außerhalb größerer Ortschaften auf eine Hand voll Häuser mit eigenem „Fischereihafen“ trifft, das ist jedoch die Ausnahme.

Das häufigere Szenario jedoch sind Hafenanlagen in denen einige wenige einsatzfähige Fischkutter am Kai liegen und in einer anderen Ecke des Hafenbeckens mindestens gleich viele Kähne verrotten. Die Orte an der Küste haben sich, wie zum Beispiel Fjällbacka im nördlichen Bohuslän, dem Tourismus verschrieben. Die Jachthäfen nehmen inzwischen ein Vielfaches der Fläche ein, welche die Fischfangflotten jemals benötigt haben.

Westliche Schärenküste

5. September 2021

Zwischen Göteborg und der norwegischen Grenze, in der Provinz Bohuslän, liegt Schwedens beeindruckendste Schärenküste. Wir erreichten diese fantastische Landschaft bei Grebbestad.

Zu erwähnen ist, dass die Saison zu dieser Jahreszeit in Skandinavien längst beendet ist. Dies hat den Vorteil, dass vergleichsweise wenig Reisende unterwegs sind. Während der Saison steht man sich hier wohl auf den Füßen. Doch sollte man bei seiner Reiseplanung berücksichtigen, dass einige Campingplätze bereits geschlossen haben und es für freies Campen an diesem Küstenabschnitt nur selten Möglichkeiten gibt. Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich in der Regel hingegen auch in den Besucher- / Jachthäfen.

Dalslands Moos Ranch

5. September 2021

Auf dem Weg an die Westküste passierten wir in Ed die Dalslands Moos Ranch. Auf einer 10 Hektar großen Waldfläche werden hier 8 zahme Elche in einem Tierpark gehalten. Es war gerade Fütterungszeit, also nutzt ich die Chance einmal Elche aus der Nähe zu betrachten.

Das Tal des Klarälven

3. September 2021

Heute folgten wir der E45 weiter in südlicher Richtung, bis diese bei Stöllet auf das Tal des Klarälven trifft. Noch vor 20 Jahren galt dieser auch heute noch weitgehend naturbelassene Flusslauf als ein Geheimtipp für Wildnisliebhaber. Damals konnte man tagelang auf dem Fluss unterwegs sein. Nur Elche und Biber sorgten für willkommene Abwechslung. Und heute?

Wir fanden das Flusstal weitgehen zersiedelt. In Branasberget wird gerade ein ganzer Wintersportort aus dem Fels gesprengt, um Platz für die Ferienhäuser der Reichen zu bieten, während sich im Tal derweil die erforderlichen Versorgungseinrichtungen und die Quartiere derer breit machen, die sich den Platz ganz oben nicht leisten können.

Wir konnten es nicht fassen, wie man solche Projekte heute noch angehen kann, denn auch in Schweden hat man mit den Folgen der Klimaerwärmung zu kämpfen, wie wir in Lappland ja gesehen hatten. In Hölljes, kurz vor der norwegischen Grenze, bezogen wir frustriert auf einem überteuerten Campingplatz unser Quartier für die Nacht.

Am nächsten Morgen machten wir uns aus dem Staub. Zügig folgten wir dem Flusslauf talwärts bis wir kurz vor der E45, bei Varnäs, auf einen schön am Fluss gelegenen, weitläufigen Campingplatz stießen. Nach einer Stunde Fahrt beschlossen wir hier zu bleiben, um dem Klarälven noch eine Chance zu geben.

Mora, das Herz Schwedens

Als wir Mora am Nachmittag erreichten, landeten wir eher per Zufall, als durch Planung, auf dem abgefahrensten Campground unserer gesamten Reise. Nur mit der nötigsten Infrastruktur ausgestattet reichte der Platz am Seeufer gerade für eine Hand voll Wohnmobile und einige Zelte. Der Unkostenbeitrag für die Nacht betrug 10 € – inklusive Feuerholz. Diese waren in einem bereitgelegten Umschlag in einen Briefkasten zu stecken. Die Aussicht auf den See war fantastisch und dazu herrschte absolute Ruhe. Wer einfache Plätze in landschaftlich toller Lage mag, für den ist der Kulara Camping auf der Insel Sollerön ein absoluter Geheimtipp.

Damit ist auch schon ein Punkt geklärt, weshalb Mora nicht nur im Herzen Schwedens, sondern auch den Schweden am Herzen liegt.

Mora liegt in der zentralen Provinz Dalarna, die wegen ihrer lieblichen Landschaft und ihrem milden Klima eine bevorzugte und traditionelle Ferienregion der Schweden ist. Mora selbst hat eine außergewöhnliche Lage. Die Kleinstadt liegt auf der Landbrücke zwischen zwei Seen, dem Orsasjön im Norden und dem Siljansee im Süden. Genau hier mündet auch der Österdalälven in den Siljansee.

Mora ist bekannt für seine Brauchtumspflege und hat sich so zum Zentrum für traditionelle Feste, Volkstanz- und Trachtenfeste entwickelt. Dazuhin ist Mora eine Hochburg für Kunsthandwerk. Von hier stammen unter anderem die roten Dalarna-Pferdchen. Unten das zugehörige Denkmal an der Strandpromenade.

Mora kann als Geburtsort der nationalen Identität Schwedens betrachtet werden. Als Gustav Vasa im Jahre 1521, die Bürger Moras und Dalarnas gegen den dänischen König Christian II. in Stockholm aufzubringen versuchte, zeigten sie ihm die kalte Schulter. Nachdem Gustav auf Skiern davon eilte, besannen sich die Bürger Moras eines Besseren und schickten ihm zwei der besten Skiläufer hinterher, um ihm diese Nachricht zu überbringen. Die holten ihn schließlich im 90 km entfernten Sälen ein. Der Niedergang der dänischen Herrschaft nahm seinen Lauf und Gustav Vasa wurde schwedischer König.

Seit 1922 wird jährlich an dieses Ereignis mit dem Vasalauf erinnert. Mit ca. 20000 Skilangläufern im Hauptlauf handelt es sich um den größten Skilanglauf in ganz Skandinavien. Insgesamt tummeln sich in der Festwoche rund 50000 Besucher in den Loipen. Gestartet wird in Sälen, Zieleinlauf ist in Mora. Der bisherige Streckenrekord liegt bei 3 Stunden und 38 Minuten. Am Zieleinlauf in Mora steht diese Skulptur eines Wasalauf-Teilnehmers von Per Nilsson-Öst.

Auf dem Sockel der Statue findet sich die Inschrift: “In der Spur der Väter – für die Siege der Zukunft”. In Deutschland wäre ein derartiger Slogan völlig undenkbar. In Schweden hingegen hat man mit solchen Sprüchen offensichtlich kein Problem, sie werden sogar gepflegt. So steht überm Zieltor derselbe Spruch und auf Kinderspielplätzen finden sich Miniaturausgaben des Zieltors, so dass die Kleinsten gleich richtig geeicht werden.

Selbstverständlich wird den ganzen Sommer hindurch auf dieses Ereignis hin trainiert.

Doch Mora ist auch ein ganz normales Touristenzentrum mit Einkaufsmeile und Uferpromenade.

Auf dem Inlandsvägen nach Süden

In Strömsund erreichten wir wieder die E45, den Inlandsvägen. Auf dem Weg nach Süden wird der Wald nun häufiger von landwirtschaftlichen Flächen abgelöst.

Dennoch spielt die Holzwirtschaft eine zentrale Rolle. Nachfolgend einige Aufnahmen von einem Betrieb, der Rundhölzer verarbeitet und imprägniert. Ein Baustoff, der in Schweden in riesigen Mengen benötigt wird.

In Östersund, am Storsjön gelegen, erreicht man dann das erste richtige urbane Zentrum. Hier kreuzt die E14, die dem Tal des Indalsälven nach Norwegen folgt. Ältere Leser werden sich noch an den Ausnahmeskiläufer Ingemar Stenmark erinnern, der im Slalom über viele Jahre die Weltcupszene beherrscht hat. Er kommt aus Are, einem Wintersportort in dieser Region.

Unser Interesse galt der Frösö-Kirche, die im 12. Jahrhundert in aussichtsreicher Lage auf der Insel Frösö errichtet wurde. Die Steinkirche mit freistehendem Glockenturm ist eine Wallfahrtskirche auf dem Olafsweg nach Trondheim.

Von der Bushaltestelle an dieser Kirche stammt auch die Aufnahme aus dem Beitrag „Bus Stop to Heaven“. Hier das Original.

Vildmarksvägen 2

30. August 2021

Am Morgen musste ich mich zuerst um die Preiselbeeren kümmern, die an unserem Übernachtungsplatz, wie auch anderswo, zuhauf wuchsen. Wenn man sie schon vor den Füßen hat, sollten sie wenigstens auch aufs Bild.

Bis Klimpfjäll war noch magere Landwirtschaft möglich.

Dann blieben auch die Bäume zurück. Wir waren im Fjäll angekommen.

Die Passhöhe auf 876 m Höhe ist ein idealer Ausgangspunkt für größere und kleinere Touren durch wegloses Gelände. Als ich eine Herde Rentiere erblickte, zu der auch ein weißes Ren gehörte, war meine Tour klar. Ich folgte erst einmal für gut eine Stunde dieser Herde, in der Hoffnung, nahe genug heranzukommen, um ein ordentliches Bild machen zu können, denn weiße Rentiere sieht man ja nicht alle Tage. Doch die Rentiere leben hier oben den ganzen Sommer über völlig frei und als Fluchttiere achten sie peinlich auf den nötigen Abstand. So gelangen mir lediglich einige Belegfotos.

Auf dem Rückweg konnte ich mich dann der genialen Landschaft widmen.

Aufgrund der Wettersituation beschlossen wir, trotz der tollen Plätze nicht im Fjell zu übernachten, sondern ins waldreiche Ströms Vattudal hinabzufahren.