Höga Kusten 2

22. August 2021:

Alte Fischerdörfchen schmiegen sich an die fjordartigen Buchten entlang der Hohen Küste. Professionelle Fischer muss man heute allerdings mit der Lupe suchen. Die meisten, der längst verlassenen Fischerhütten, wurden zu Ferienhäusern umgestaltet oder dienen als Unterkünfte für Touristen.

Bönhamn ist einer dieser idyllisch gelegenen Orte.

Die renovierten Trockengestelle für Fische haben nur noch hinweisenden Charakter.

Die Beschaulichkeit dieser Orte lässt kaum noch erahnen, wie hart das Leben hier einst gewesen sein muss.

Ich war nicht der einzige, der morgens um 7 Uhr bereits unterwegs war. Während die beiden Kanuten ihre Kajaks zu Wasser ließen, entschied ich mich für eine Tour auf einen nahegelegenen Felsrücken, um in der Morgensonne die Aussicht auf den Ort und die Schärenküste zu genießen.

Im Örtchen Barsta machten wir auf einem direkt am Strand gelegenen Campingplatz fest. Mit dem Kajak ging es hinaus zu einigen vorgelagerten Schären.

An einer der Schären landete ich an, um die fantastischen Erosionsgebilde, die der Granit hervorbringt, aus der Nähe zu betrachten.

Welch herrliche Landschaft!

Auf nach Norden

20. August 2021:

Skogs Kirche: Die Ruine zeigt die restaurierten Überreste der um 1325 entstandenen Kirche. Die ausgesprochen schöne Lage der Kirche, in unmittelbarer Nähe zum See, wurde ihr zum Verhängnis. Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Kirche mehrfach vom Hochwasser überflutet und beschädigt, so dass sie im 17. Jahrhundert aufgegeben werden musste.

Världsarvet ist einer der zahlreichen alten, restaurierten Hälsinghöfe, die man in der Gegend um Bollnäs vorfindet. Die Bauern des Hälsinglandes kamen im 18. und 19. Jahrhundert zu derartigem Wohlstand, dass sie oft mehrere Häuser errichtet haben. Diese wurden nicht alle bewohnt, sondern nur zu besonderen Anlässen genutzt. Deshalb blieben sie auch gut erhalten. Weit verbreitet war ein Festhaus, dessen Räumlichkeiten für Feste unterschiedlicher Größe und Bedeutung ausgelegt waren. Alle Räume waren für die damalige Zeit mit modernstem Raumdesigne ausgestattet. So kamen Tapeten zum Einsatz, deren Ornamente mit der damals neuen Schablonentechnik gefertigt worden waren. Zusätzlich wurden die Räume mit Wandgemälden im Stil des Rokoko und mit klassischen Ornamenten geschmückt. Das Festhaus auf Världsarvet verfügt über vier Festsäle, ein Brautschlafzimmer und eine Küche. Einer der Festräume war religiösen Feiern vorbehalten.

Das Festhaus.

Der niedere Festsaal im Erdgeschoss.

Links die erste originale Tapete, noch aus Leinengewebe. Rechts die restaurierte Papiertapete mit demselben Muster.

Der hohe Festsaal im oberen Stockwerk.

Gripsholm

19. August 2021 Gripsholm: Das alte Schloss der Vasakönige liegt westlich von Stockholm auf einer kleinen Halbinsel im Mälaren, einem Seengebilde von der doppelten Größe des Bodensees. Das Schloss wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Gustav Vasa erbaut.

Bilder oben: Das alte Königspaar kehrt zurück. Kanonen im Innenhof und deren prächtige Verzierung.

Gripsholm ist von einer Parkanlage mit altem Baumbestand umgeben.

Von hier blickt man hinüber nach Mariefred, einem kleinen Ort, der mit der Erbauung des Schlosses entstanden ist.

Vor Schloss Gripsholm wurden zwei  Runensteine aufgestellt. Sie gehören zu einer Reihe von 26 Steinen aus dem 11. Jahrhundert, die im Raum des Mälaren gefunden wurden. Diese wurden gefertigt, um jenen zu gedenken, die auf dem Vikingerfeldzug zum Kaspischen Meer ums Leben kamen. Der nachfolgende Stein ist Harald gewidmet.

An der Schärenküste

17. und 18. August 2021, Källbukten: Unweit der Stelle, wo der Götakanal die Ostküste erreicht, fuhren wir von Söderköping aus hinaus in den Schärengarten, der sich vor St. Anna weit in die Ostsee hinein erstreckt. Der erste Campingplatz, den wir anfuhren, überzeugte uns so, dass wir blieben.

Am späten Nachmittag zog ein heftiges Gewitter mit ergiebigem Platzregen auf. Nach dem Regen hing Nebel zwischen den bewaldeten Schären und die untergehende Sonne zauberte daraus eine ganz besondere Lichtstimmung.

Anderntags ging es dann mit Kajak und Kamera hinaus in den Schärengarten. Die unzähligen kleinen und kleinsten Inselchen wollten erkundet sein.

Auf den ersten Blick gewinnt man den Eindruck, als wären alle Schären mit Wochenendhäusern bebaut. Ganze Ferienhaussiedlungen überziehen die felsige Inselwelt in lockerer Bebauung.

Die meist idyllisch gelegenen Anwesen täuschen allzu gerne darüber hinweg, dass es hier nicht um eine heile Welt, sondern um die totale Zersiedelung einer sensiblen Landschaft geht. Schön ist es dennoch und das ist wohl das Problem.

Die Bebauung der Schären beschränkt sich auf den festlandsnahen, bewaldeten Bereich. Je näher man dem offenen Meer kommt, desto weiter geht die Bewaldung zurück. Schließlich ragen nur noch kahle Inseln aus dem Wasser.

Götakanal

16. August 2021: Auf unserer Weiterfahrt passierten wir gleich bei Blidingsholm eine alte Steinbrücke. An einem Brückendurchlass waren Vorrichtungen angebracht, um Netze in das ablaufende Wasser zu hängen. An den anderen Durchlässen konnte der Abfluss geregelt und somit den Fischen der Weg verlegt werden. Sicherlich eine effektive und ganz entspannt Art, Fische zu fangen.

In Eksjö nutzten wir die Mittagspause für einen Bummel durch die 1568 nach einem Brand neu errichtete Altstadt. Die Gamla Stan von Eksjö besteht aus einer der vollständigsten Holzhausbebauungen Schwedens. Was aber noch viel wichtiger ist, alle Häuser wurden einer vernünftigen Nutzung zugeführt.

In Motala erreichten wir den Götakanal. Vorbei am Götahotel in Borensberg fuhren wir weiter zur Schleusentreppe von Berg. Diese gilt als der spektakulärste Kanalabschnitt.

Vom Roxensee kommend werden die Schiffe hier in sieben aufeinanderfolgenden Schleusen um 28,8 m angehoben.

Danach folgt gleich noch eine weitere Doppelschleuse.

Der Götakanal verbindet über eine Gesamtstrecke von 190 km die an der Westküste gelegene Stadt Göteborg mit der Ortschaft Mem, die südlich von Stockholm an der Ostküste Schwedens liegt. Dazwischen sorgen 58 Schleusen für den erforderlichen Höhenausgleich. Der Kanal verläuft durch mehrere Seen, doch 87 km mussten ausgegraben werden bevor er 1832 in Betrieb gehen konnte. Der Götakanal hat heute nur noch eine touristische Relevanz.

Asnensee

12. bis 15.08.2021, Campingplatz Getnö Gard: Die empfehlenswerte Anlage bietet Stellplätze in naturbelassenem Gelände. Ein Teil des Sees mit seiner herrlichen Insel- und Schärenwelt wurde 2018 als Nationalpark ausgewiesen. Der Asnen gilt als Paradies für Angler und Paddler. Bei meinen Erkundungstouren mit dem Kajak konnte ich Fischadler beobachten. Für vernünftige Fotos war allerdings die Entfernung zu groß.

Ales Stenar

Mittwoch, 11. August 2021: Auf einem Dünenrücken, der zur Ostsee hin steil abfällt, liegt oberhalb des Örtchens Kaseberga die größte Schiffsetzung Skandinaviens, Ales Stenar. Aus 59 Felsblöcken wurde hier ein Langschiff mit 67 m Länge und 19 m Breite gestaltet. Die Steine bringen es auf eine Masse zwischen 0,5 und 1,8 Tonnen.

Die imposante Schiffsetzung wurde auf die frühe Eisenzeit (500 – 1000 n. Chr.) datiert. Ihre Bedeutung ist noch nicht abschließend geklärt. Während die meisten Vertreter der Wissenschaft von einer Grabstätte ausgehen, wird aus dem Lager der Amateurarchäologen die Theorie einer astronomischen Uhr vertreten.

Wie so oft bei solchen Sehenswürdigkeiten drängen sich die Leute am Abend und morgens bei Sonnenaufgang kann man alles in Ruhe auf sich wirken lassen.

Doch auch der Abend hat seine Vorteile. Da kann man die Gleitschirmflieger bei ihren akrobatischen Flugübungen bestaunen. Bei auflandigem Wind bildet sich an der Steilküste eine stehende Welle aus, die man nach Belieben absurfen kann.

Da müssen auch die griechischen Mythen neu geschrieben werden, denn Ikarus ist nicht abgestürzt, er lebt!

Bei Sonnenuntergang verabschieden sich die Akteure dann von ihren Zuschauern, denn danach bricht oft der Wind zusammen und heimlaufen möchte von denen keiner.

Ystad

Dienstag, 10.08.2021, Überseehafen Rostock: Ein Fährhafen hat eine ganz spezielle Atmosphäre. Hier wollen alle nur eines, weg. Doch meist ist erst einmal Warten angesagt. Auch hier hat das digitale Zeitalter viel verändert. Die Hektik von einst, als man sich nach langer Nachtfahrt noch ein Ticket erkämpfen musste, ist längst passe. Heute kommt die Buchungsbestätigung aufs Handy und damit geht es dann direkt zum Check in.  Also bleibt Zeit für einen Besuch im Cafe des Fährterminals, um über WLAN einen Bericht fürs Guckloch abzusetzen. Wir schliefen direkt vor dem Schalter.

  

Lange hielt sich das Gerücht, das nachfolgende Bild würde das höchste Freiluft-WC Mecklenburg-Vorpommerns zeigen. Doch bei genauerem Hinsehen klärt sich die Sachlage auf.

Beim Sonnenaufgang lief die Fähre aus Trelleborg ein. Es ist immer wieder verblüffend, wie viele Lastzüge und andere Fahrzeuge so ein Rumpf ausspuckt.

Dann waren wir auch schon unterwegs. Ein letzter Blick ging zurück auf Warnemünde. Nur noch die völlig plane Ostsee trennte uns jetzt von Schweden. In Trelleborg angekommen mussten wir am Zoll unseren Impfnachweis vorzeigen. Andere Formalitäten waren nicht erforderlich.

Auf dem Weg Richtung Ystad legten wir an der Ostsee eine kurze Rast ein. Gleich nebenan weckte ein Sammelsurium an Booten mein Interesse. Ganz seetüchtig sahen die alle nicht mehr aus.

Ystad ist eine farbenfrohe, lebhafte Stadt. Nichts erinnert hier an die finsteren Geschichten die Kommissar Kurt Wallander in Mankells Krimis aufzuklären hat. Ganz stimmt diese Aussage so nicht, denn touristisch wird Wallander natürlich ausgeschlachtet. Bekannt ist Ystadt für seine bunten Altstadthäuser.

Eine kurze Pause vor einem Eiscafe brachte uns sofort den Tipp einer Passantin ein, dass man das Eis dieser Eisdiele unbedingt probieren müsste, es sei das beste weit und breit. Es stimmte! Das selbst zubereitete Eis schmeckte umwerfend gut. Vielleicht kommen wir ja auf dem Rückweg nochmal vorbei? Für alle Ystad-Besucher ist die Glassmakeriet in der Teatergränd 1 ein absolutes Muss.

St. Marien Kirche und Gussniska Husset

Auch das Backahasten Kaffestugan ist eine klare Empfehlung. Ob für ein schnelles Essen oder für Kaffee und Kuchen, allein schon der Garten mitten in der Stadt ist eine wohltuende Oase.

In unmittelbarer Nähe zur Stadt liegen ausgedehnte, feinsandige Naturstrände. Diese sind von der Straße Nr. 9 in Richtung Nybrostrand durch zahlreiche Parkplätze gut erschlossen.