Novo Mesto und die First Lady

Von der Insel Rab kommend, setzten wir unsere Reise nach Novo Mesto in Slowenien fort. Auf einer Umleitungsstrecke querten wir die Krka auf dieser schönen, alten Holzbrücke. Die Beschränkung auf 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht war mit unserem Fahrzeug kein Problem, für diesen Wohnmobilfahrer aber durchaus eine Risikoabwägung.

Die mitelalterliche Altstadt von Novo Mesto liegt strategisch günstig in einer Schleife der Krka auf einem Bergrücken. Vom Fluss aus zieht sich die Bebauung malerisch den Berg hoch. Gefällig ist die Bebauung der Hauptstraße und am Marktzplatz. Für die kulturelle Entwicklung des Städtchens auf dem tiefen Land waren die Franziskaner von entscheidender Bedeutung. Diese gründeten 1469 ein Kloster, als sie sich auf der Flucht vor den Türken in Novo Mesto niederließen.

Melanie Trump und die amerikanische Einwanderungspolitik:

Erst vor Ort brachten wir in Erfahrung, dass die gegenwärtig wohl bekannteste Persönlichkeit Novo Mestos die First Lady Melanie Trump ist. Sie wurde 1970 hier geboren. Da sie als Model in Europa wenig Erfolg hatte, wechselte sie 1995 in die USA. Dort erlangte sie 1998 eine gewisse Bekanntheit, als „Camel“ mit ihrem Gesicht eine Werbekampagne startete. Im gleichen Jahr lernte sie Donald Trump kennen, den sie 2005 heiratete. 2006 wurde sie amerikanische Staatsbürgerin und 2017 First Lady der USA.

Aber warum viele Worte machen? Trumps Einwanderungspolitik ist ja nur ein Aspekt, der seine Unglaubwürdigkeit ausmacht.

Insel Rab

Kurz vor 20 Uhr machte unsere Fähre in Lopar auf Rab fest. Wegen der späten Ankunftszeit hatten wir uns entschieden keinen Campingplatz mehr anzufahren sondern „wild“ zu übernachten. Mittels einer Camper App hatten wir bereits einen Platz beim Yachthafen in Supedarska Draga ausgekundschaftet. Eine glatte Empfehlung. In der Nacht hatte es kurz geregnet und in großer Entfernung war Donner zu hören, doch das befürchtete Unwetter blieb aus. Am Morgen hatten sich die Wolken komplett verzogen.

Für unseren „Badeurlaub“ hatten wir uns für das Kamp Wodenca in Barbat entschieden. Der kleine Platz liegt am Ende des Uferweges in einem schönen Olivenhain direkt an einem grobkörnigen Sandstrand. Der Campingplatz ist ein Juwel und sollte selbst in der Vorsaison vorab reserviert werden. Wir sind gerade noch für 4 Nächte untergekommen.

Die frühen Morgenstunden sind natürlich auch hier am schönsten. Die vorgelagerte, schmale Insel Dolin schützt die Küste der Insel Rab gegen das offene Meer und bildet so einen langgezogenen Naturhafen an dessen Ende die lebhafte Inselhauptstadt Rab liegt.

Wir lagen die Tage über nur auf der faulen Haut, genossen das erfrischende Bad im noch kühlen Meer, das klare Licht und das wohlschmeckende Abendessen in Bepos Strandlokal. Als Geschmacksprobe hier der Vorspeisenteller.

Nach diesen erholsamen Tagen setzten wir von Misnjak aufs Festland über. Ljubljana peilten wir als nächstes Ziel an.

Malinska, Krk

Nach dem überraschenden „Fototermin“ mit den Handwerkern fuhren wir nach Malinska weiter. Der nette Badeort, der sich gefällig um einen langgezogenen Hafen gruppiert, war bereits in der Vorsaison gut besucht, obgleich die vielen Lokale noch nach Kundschaft gierten.

Das einstige Fischerdorf hat aber auch etwas ganz besonderes zu bieten, ein Naturkundemuseum. Das Dach dieses modernen Gebäudes ist als begehbare Rampe gestaltet. Von oben hat man einen netten Blick über den Hafen.

Die Betreiber der Jahrmarktstände am Ende der Hafenanlagen waren noch mit der optimalen Platzierung ihrer farbenprächtigen Ware beschäftigt. Kundschaft ließ hier noch auf sich warten.

Am Nachmittag steuerten wir den Fährhafen Valbiska an. Am Knotenpunkt für den Fährverkehr zu den Nachbarinseln ging es recht geschäftig zu. Um das Verkehrsaufkommen zur gegenüberliegenden Insel Cres zu bewältigen, liefen drei Autofähren im Pendelverkehr. Nicht vorzustellen, wie es in der Hauptreisezeit hier zugeht.

Wir setzten zur Insel Rab über. Auf dieser Strecke genügten zwei Verbindungen pro Tag. Während der Überfahrt verfinsterte sich der Himmel zusehends. Es sah nach Sturm und Regen aus.

In einem Dorf, das keiner kennt

Am Abend wollten wir mit der Fähre auf die Insel Rab übersetzen, doch bis dahin hatten wir noch genügend Zeit, um uns auf Krk noch etwas umzusehen. Dabei kamen wir durch die Ortschaft Milohnici. Dort machte gerade eine Gruppe Handwerker Mittagspause. An dieser Szene konnte ich nicht achtlos vorbeifahren. Doch wo auf diesen engen Sträßchen anhalten? Hundert Meter weiter kam die Erlösung in Form einer Bushaltestelle. Wenigstens einen Versuch wollte ich unternehmen und höflich fragen.

Zu meiner Überraschung reagierte die Gruppe sehr offen und freundlich, vielleicht auch etwas belustigt darüber, dass so ein bleicher Nordländer die südländische Arbeiterklasse beim Vespern fotografieren wollte. Wie auch immer – ich durfte. Als ich ihnen im Anschluss die Aufnahmen zeigte, bekam ich auch gleich eine E-Mail-Adresse, um die Bilder zuzuschicken. Wir trennten uns bei bester Laune.

Die Ortschaft selbst hatte sich ihren ursprünglichen Scharm bewahrt – wirkte fast etwas verschlafen.

Krk

Nach einem Zwischenstopp in Kamp David, einem kleinen, empfehlenswerten Campingplatz nahe der Autobahn H4 bei Batuje in Slowenien, erreichten wir die Insel Krk. Die kroatische Insel liegt in der Kvarner Bucht und ist durch eine Brücke mit dem Festland verbundene. Dort bezogen wir für einige Tage Quartier auf dem Campingplatz in Glavotok. Da wir rechtzeitig vor den Wochenendurlaubern ankamen, konnten wir noch einen Stellplatz direkt überm Meer auswählen mit Blick hinüber zur Insel Cres.

Auf dem Platz gibt es ausreichend Schatten und auch sonst bietet diese große Anlage alles. Bereiche zum Schwimmen im Meer sind vor Motorbooten geschützt. Kleine Campingplätze – die Erfahrung mussten wir machen – können bereits in der Vorsaison ausgebucht sein.

Die Inselhauptstadt Krk bietet die üblichen Angebote aller mediterranen Urlaubszentren.

Neben den schmalen Gassen der Altstadt gibt es aber auch noch eine architektonische Überraschung zu bestaunen, den Sportpalast, der zur benachbarten, alten Kirche Gospa od Zdravlia einen tollen Kontrast bildet.

Venzone

Das mittelalterliche Venzone (Friaul) liegt direkt an der Einfallsroute zur nördlichen Adria und wird dennoch wenig beachtet. In mehrerlei Hinsicht ist dieser Ort aber etwas ganz besonderes. Venzone

  • ist Mitglied in der Vereinigung „Schönste Orte Italiens“.
  • ist das einzige befestigte Dorf Friauls aus dem 14. Jahrhundert und gilt als außergewöhnliches Beispiel einer gelungenen architektonischen und künstlerischen Restaurierung. Deshalb wurde der Ort 1965 zum nationalen Denkmal erklärt.
  • wurde 1976 durch ein schweres Erdbeben stark beschädigt und die Altstadt durch ein Nachbeben fast vollständig zerstört.
  • wurde von seinen Bewohnern originalgetreu wieder aufgebaut. Die Bewohner setzten sich dabei gegen ihre Stadtverwaltung durch, die einen Neubau der Stadt anstrebte.

Ein Rundgang durch das Dorf vermittelt die großartige Leistung ihrer Bürger. Das obere Bild zeigt den Blick von der Freitreppe des Rathauses auf den Hauptplatz. Weitere Eindrücke: Innenhof, Rathaus, Palazzo Radiussi, umlaufende Stadtmauer, Blick über die Stadtmauer auf den Dom.

Doch hat man nicht alles wieder aufgebaut. So hat man die Überreste der Kirche des Hl. Giovanni Battista als Mahnmal bewusst stehengelassen.

Doch ist Venzone kein Museum. Hier leben reale Menschen. Als ich beim Schlendern durch die Gassen durch eine halboffene Tür blickte, entdeckte ich eine ältere Dame beim Herstellen von Tortellini. Ich durfte sie bei der Arbeit fotografieren aber die Küche dabei verständlicherweise nicht betreten. Auch den Bewohner mit seinen farbenfrohen Socken zeige ich gerne, obwohl er mir auf die Schnelle etwas verwackelt ist.

Besonders eindrücklich zeigen sich die Gassen im harten Licht der mittäglichen Sonne bei einer Schwarzweiß-Entwicklung.

Das letzte Bild, die Porta San Genesio (1309), ist das einzige Stadttor, das die Jahrhunderte und alle Erdbeben unbeschadet überstanden hat. Dagegen ist die Werbung vor den Toren der Stadt bereits nach einem Jahr verschlissen.

Der schiefe Turm von P

Auch Prato im Pesarina Tal verfügt über einen schiefen Turm, dessen Fundament sich über Jahrhunderte einseitig gesetzt hat. Das verheerende Erdbeben von 1976 hat dazu ebenfalls beigetragen. Inzwischen ist das Fundament gesichert und der Kirchturm kann die Besucher weiterhin in Schieflage am Ortseingang begrüßen.

Talwärts schweift der Blick über den Friedhof nach Avausa. Talaufwärts gelangt man in den Ortsteil Osais. Hier lohnt sich unbedingt die Besichtigung der Kirche San Leonardo, die mit uralten Fresken aufwartet.

Die schmalen Straßen sorgen dafür, dass es im Tal gemächlich zugeht.

Pesariis, Dorf der Uhren

Pesariis und die wenigen anderen Orte im Val Pesarina zählen zu den schönsten Ortschaften Karniens. Und das hat seinen Grund, denn seit Jahrhunderten hat sich dort die Handwerkskunst der Metallverarbeitung entwickelt. Die daraus resultierenden Handelsverbindungen in die damaligen Zentren der Uhrenproduktion in Süddeutschland brachten das Know-how des Uhrmacherhandwerks nach Pesariis. Dort führte die Uhrenproduktion ab dem frühen 18. Jahrhundert zu wachsendem Wohlstand. Dies zeigt sich noch heute in der vorhandenen Bausubstanz. Anders als in den Bergbauerndörfern formen in Pesariis mehrstöckige Steinhäuser ein geschlossenes „Stadtbild“.

Auch Pesariis durchlebte mehrere Krisen und Auswanderungswellen. Die Rückkehrer waren es, die mit ihrem mitgebrachten Wissen dem heimischen Handwerk immer wieder neue Impulse gaben. Doch war auch im Val Pesarina die Landflucht nicht zu stoppen. Während Pesariis in den 1950er-Jahren noch rund 1000 Seelen zählte, sind es heute gerade einmal 178 vorwiegend ältere Menschen. Doch die Verbliebenen und neu Hinzugezogenen, putzen ihre Häuser heraus ohne dabei die Tradition zu vergessen.

Mit welcher Kreativität man in Pesariis Uhren entwickelt hat, zeigt sich beim Rundgang durch das Dorf. Seit die Gemeindeverwaltung im Jahr 2000 ein Projekt zur Errichtung großer Uhren ausgelobt hat, sind im Gemeindegebiet unter freiem Himmel 15 Uhren entstanden, die allesamt unterschiedlichste Mechanismen aufweisen. Pesariis erwarb sich so den Beinahmen „Dorf der Uhren“.

Die Funktionsweise der einzelnen Uhren ist jeweils auf einer Tafel beschrieben, doch würde es den Rahmen dieses Beitrags sprengen, wenn ich dies hier ausführen wollte. Es geht einfach um die Vielfalt und Kuriosität. Für weitere Informationen siehe 1 und 2.

Beeindruckt hat mich auch eine ganz andere Kunstform. Mit Matten aus dem Baustoffhandel wurden an den Fassaden große Figuren dargestellt.

Und Gott sei Dank gibt es den auch noch! Ohne diesen Krämerladen wäre es im Dorf schwierig.