Stippvisite am Torghatten

Wanderung wäre zu viel gesagt für den halbstündigen Aufstieg zum Loch im Fels. Der Einstieg zu dieser Minitour ist kaum zu verpassen. Ca. 200 m vor dem Campingplatz befindet sich ein Parkplatz mit Infotafel. Hier verschwindet der Weg gut erkennbar im Birkenwald.

Die anfänglich moderate Steigung nimmt in der zweiten Hälfte der Strecke deutlich zu und das unebene Gelände erfordert eine gewisse Trittsicherheit, insbesondere beim Abstieg. Dennoch ist der Weg für alle Altersgruppen geeignet. Oberhalb des Birkenwaldes hat man eine tolle Aussicht und bereits nach Überwindung von 140 Höhenmetern ist das Ziel, das gewaltige Loch in der Felswand, erreicht.

Der 160 m lange Durchstich durch die Felswand ist beeindruckend. Der höhlenartige Durchgang ist bis zu 20 m breit und bis zu 35 m hoch. Eine Holztreppe führt hinab zum tieferliegenden Ausgang, der den Blick auf einen fantastischen Schärengarten freigibt. Da der weitere Abstieg des Rundweges gerade neu angelegt wurde, musste ich zurück denselben Weg nehmen.

Zur Entstehung dieses Durchbruchs gibt es unterschiedliche Varianten. Die Geologen sagen, dass es sich um eine Auswaschung des Meeres handelt, die während der postglazialen Landhebung entstanden ist, als dieser Teil des Berges noch auf Meeresniveau lag. In der Sagenwelt hört sich das natürlich völlig anders an. Da geht es, wie so oft, um Prinzen, Prinzessinnen, eine Jungfrau und natürlich um Leidenschaft und in diesem Fall um das Loch eines durchschossenen Hutes, der zum Torghatten erstarrte.

Noch ein Tipp zum Schluss: Sollte ein Kreuzfahrschiff in Brönnöysund vor Anker liegen, tut man gut daran, die Tour möglichst früh oder spät zu machen, denn der Torghatten gehört zum Ausflugsprogramm. Auf diesem Weg einer Busladung von Kreuzfahrern zu begegnen ist aber wirklich kein Vergnügen. Dieses Bild entstand morgens beim Frühstück vor dem Camper.

Der Kystriksveien Teil 1

In der Nacht hatte Regen eingesetzt. Doch innerhalb von zwei Tagen sollte sich nun auch in Mittelnorwegen die Sonne durchsetzen. Deshalb machten wir uns auf den Weg nach Norden. Am Trondheimfjord erreichten wir erstmals die regenverhangene Atlantikküste.

In Steikjer, nördlich von Trondheim, verließen wir bereits wieder die E6 und folgten dem Kystriksvein (Fv 17) nach Namsos, einem regionalen Zentrum dieser Küstenregion. Die alten Lagerhäuser wurden hier saniert und zu Wohn- und Geschäftshäusern umgebaut.

Hinter Namsos folgten wir der Nebenroute 769 hinaus auf die dem Festland vorgelagerte Inselgruppe Vitna, die aus rund 6000 Inseln, Schären und Holmen bestehen soll. Zum Übersetzen nutzten wir von Lund aus die Fähre. Weit draußen, inmitten eines herrlichen Schärengartens gelegen, hatten wir einen absolut empfehlenswerten, kleinen Campingplatz ausfindig gemacht (Fjukstad Camping). Die sich langsam durchsetzende Wetterbesserung zauberte am späteren Abend noch eine tolle Stimmung. Aufnahmezeitpunkt ca. 22 Uhr.

Knapp fünf Stunden später stieg ich nochmals durch unwegsames Gelände auf den Hügel neben dem Campingplatz.

Die Sonne war bereits wieder über dem Horizont und überflutete den Schärengarten mit sanftem Licht. Der kleine Naturhafen des Campingplatzes war von oben gut zu überblicken. Diese tolle Schärenlandschaft wäre eigentlich ein genialer Ort, um mit dem Kajak in See zu stechen, doch der scharfe, böige Wind bei Temperaturen von deutlich unter 10 Grad, würde dies sicher nicht zur Genusstour werden lassen. Also vertagte ich die Bootstour.

Gleich bei Ankunft wird einem klar, dass man hier an einem ganz besonderen Ort gelandet ist. Der gelbe sechseckige Bau beherbergt Rezeption, Küche und Aufenthaltsraum. Ein Empfangskomitee sucht man allerdings vergebens. Die wichtigsten Informationen sind in wenigen Punkten zusammengefasst und am Infobrett angeschlagen. Anmeldung und Abrechnung macht man selbst. Die in Anspruch genommenen Leistungen werden auf einem Kuvert angekreuzt, der errechnete Betrag in ein Kuvert und dieses in einen Briefkasten gesteckt. Das war´s. Von den Eigentümern oder sonstigem Personal war nie jemand zu sehen, aber es war immer sauber. Dies alles und die absolute Ruhe kostete knapp 15 €. Wenn das keine Empfehlung ist!

Übrigens, das komische Gebilde im nachfolgend dritten Bild sind Teile eines Walschädels, die hier als Skulptur verwittern.

Auf der Rückfahrt zum Festland passierten wir Rörvik, das Verwaltungszentrum der Inselgruppe. Von der Brücke über den Näröysund hat man einen schönen Ausblick auf das Städtchen. Zurück auf der Fv 17 fuhren wir durch abwechslungsreiche Landschaften. Die Straße folgte meist dem Küstenverlauf, wand sich aber auch über Berge, passierte Birkenhaine und Weideland.

Die Fähre von Holm nach Vennesund war eine willkommene Unterbrechung der Fahrt. Auf der Gesamtstrecke bis Bodö, einschließlich der Überfahrt zur Inselgruppe Vitna, bereicherten insgesamt 7 Fähren unterschiedlicher Länge unsere Route auf dem Kystriksveien.

Unser Tagesziel war Bönnöysund, genauer der Campingplatz unterhalb des Torghatten, einem Berg mit großem Loch, um den sich zahlreiche Mythen ranken. Dieser Zeltplatz war das totale Kontrastprogramm zu unserem letzten. Er war riesig. Die im Verhältnis zur Ausdehnung des Platzes wenigen Gäste konzentrierten sich auf die Panoramaplätze entlang des Skillbodenfjorden (nachfolgendes Bild). Der Gedanke, dass dieser Platz während der Hauptsaison voll belegt ist, lies mich schaudern. Die wenigen Sanitäreinrichtungen waren schon jetzt nicht sauber.

Auf dem Valdresflye durchs Jotunheimen

Das schlechte Wetter im Norden hielt weiter an. Deshalb suchten wir nach einem ersten Highlight und fanden es ziemlich genau in der Mitte Norwegens. Vom waldreichen Osten nahe der schwedischen Grenze fuhren wir direkt nach Westen. Über Elverum und Hamar gelangten wir zur Fv 33, die uns vorbei an moorigen Bergseen in die zentrale Bergwelt Norwegens nach Fagernes brachte. Der dortige Campingplatz ist gut ausgestattet und besticht mit einer tollen Aussicht über den See.

Die nächste Etappe, auf dem Valdresflye durchs Jotunheimen wurde zur landschaftlichen Genusstour. Anders als zahlreiche Reiseführer behaupten ist diese Fjell-Route bereits ab dem 1. April und nicht erst ab Mitte Juni geöffnet.

Von Fragernes aus steigt die Fv 51 kontinuierlich an. Vorbei an herrlichen Seen erreicht man die Stabkirche von Hegge. Der schlichte Bau wurde anfangs des 13. Jahrhunderts errichtet.

Noch herrscht Landwirtschaft vor. Auf den Bergwiesen entdeckten wir immer wieder riesige Elche, denen das saftige Gras offensichtlich zu schmecken schien. Nur wenige Kilometer weiter ist man mitten im Winter angekommen.

Vorbei am Bitihorn, der mit 1607 Metern höchsten Erhebung in dieser Ecke, erreicht man den Bergsee Bygdin. Am dortigen Höifieldshotel reibt man sich dann ungläubig die Augen, wenn der Blick inmitten der Winterlandschaft unvermittelt an einem Schiff hängen bleibt. Doch wer glaubt, dass nun gleich Klaus Kinski um die Ecke biegt, um mit irrem Blick die Fortsetzung zu Fitzcarraldo zu drehen, sieht sich getäuscht. Die Wirklichkeit ist viel banaler. Das historische Motorschiff Bitihorn verkehrt in den Sommermonaten auf dem Bergsee. Um im Winter dem Eisdruck zu entgehen, wird es auf einem Bootswagen an Land gezogen.

Nach Überschreiten der von einem versteinerten Troll bewachten Valdres Flye verliert die Passstraße etwas an Höhe. Krüppelbirken gewinnen die Oberhand und säumen den schäumenden Lauf der Sjoa.

Schon bald erreicht man den Bergsee Gjende im Jotunheimen Nationalpark. Der Eisgang auf dem See verrät, dass hier oben zumindest nachts noch Minusgrade vorherrschen. Eine der berühmtesten Bergtouren Norwegens – die Überschreitung des Besseggengrates – hat hier in Gjendesheim ihren Ausgangspunkt. Bei der bestehenden Schneelage machte diese Tour allerdings keinen Sinn.

Vorbei am Rittersprung, einer klammartigen Verengung der Soja, erreichten wir den kleinen Ort Sel, der unterhalb der Kirche einen kostenfreien Übernachtungsplatz bereit hält. Dies nehme ich zum Anlass darauf hinzuweisen, dass die Zeiten, in denen man in Norwegen fast überall übernachten konnte, der Vergangenheit angehören. Die Flut der Wohnmobillisten hat es erforderlich gemacht, dass die meisten Möglichkeiten entlang der Reiserouten mit einem Campingverbot belegt sind.

Pläne sind zum Ändern da!

Natürlich hatten wir einen Plan: Möglichst auf direktem Wege (E6) bis nördlich von Trondheim. Dort auf die Küstenstraße (Fv17) abbiegen und dieser bis Bodö folgen. Auf die Lofoten übersetzen und über die Vesteralen und die Halbinsel Senja weiter bis Tromsö. Doch alle Nordlandreisenden wissen, man benötigt mindestens noch einen Plan B.

Aber allen Plänen übergeordnet ist bei dieser Reise der Grundsatz, dass wir uns an den Wetterverhältnissen und der eigenen Laune orientieren wollen.

Bereits vor Abreise hatten wir die Wetterprognosen für Norwegen verfolgt und unmittelbar vor Verlassen der Fähre nochmals geprüft. Oslo und der gesamte Süden Norwegens wurde mit Sonne und Temperaturen von 20 Grad und mehr verwöhnt, während die Gebiete jenseits der Fjells mit Regen und Temperaturen unter 10 Grad nicht gerade einladend wirkten. Klar, wir blieben im Süden und wandten uns von Oslo Richtung Nordost, ins Tal der Glama und in die waldreiche Region nahe der schwedischen Grenze. Hier windet sich die gemächlich dahin strömende Kynna durch Moore und Seen. Wir fanden einen tollen Badeplatz, der zum Bleiben einlud. Dort, wo sich im Sommer die Leute aus der Umgebung zum Baden treffen, fehlte es an nichts. Sogar zwei Volleybälle warteten darauf bespielt zu werden.

In den Wäldern drum herum lagen weit verstreut Ferien- und Wochenendhäuser. Die sogenannten „Hytter“ sind in Norwegen der absolute Kult. Die gibt es in jeder Größe und Preisklasse. Das nachfolgene Beispiel ist da noch recht bescheiden. Dieser Hytter-Kult nimmt zum Teil bedenkliche Ausmaße an. Ganze Wald- und Fjellgebiete werden so zersiedelt.

Während man in den weiten Tälern die üblichen großen Höfe sieht, ist das Leben der Bauern hier in den Waldregionen deutlich härter und bildet einen erkennbaren Kontrast zum Hytter-Kult der Städter. Auf den überwiegend kleineren und meist schmucklosen Höfen leben die Menschen vom Holz und etwas Milchwirtschaft, die sich auf die Rodungsflächen beschränkt. Kein Wunder, dass nicht wenige der alten Höfe aufgekauft und zu Feriendomizilen umgebaut werden.

Wanderdüne Rabjerg Mile

Auf der Route Kristiansand – Hirtshals ließen wir mit den letzten Schären die norwegische Küste hinter uns.

Auf dem Weg von Hirtshals nach Skagen passiert man die Rabjerg Mile, Dänemarks größte Wanderdüne. Sie bedeckt ca. 2 qkm Fläche und erreicht eine Höhe von 40 m. Der Sand wird hier durch die vorherrschenden Winde jährlich um 15 cm von West nach Ost verlagert. Was einmal unter der Düne verschwunden ist, taucht nach rund 40 Jahren hinter ihr wieder auf.

Was Flugsand bedeutet, bekam ich bei meiner Tour auf und über die Düne zu sehen und zu spüren.

Die Winderosion entpuppte sich als wahre Künstlerin.

Der über die freien Dünenflächen getriebene Sand wandelte sich an den Abbruchkanten zu einem scharfen Sandstrahl und in den Flanken der Dünen entwickelten sich regelrechte Sandstürme.

Doch bei aller bizarren Schönheit ist klar, die Wanderdüne bringt langsam aber unaufhaltsam den Tod.

Das wohl berühmteste Opfer des Flugsandes in dieser Region ist Gamle Skagen. Die Ortschaft musste Ende des 18. Jahrhunderts aufgegeben werden. Auch die Kirche wurde abgerissen, nur der Kirchturm aus dem 15. Jahrhundert blieb als Seezeichen stehen und wird deshalb seit 1816 weiß gekalkt.

Die Trollkirche

In der Chronologie unserer Reise gehört dieser Beitrag eigentlich hinter die „Insel Godöya“.

Fährt man auf der RV64 von Malmfjorden in Richtung Eide, passiert man nach wenigen Kilometern einen links neben der Straße gelegenen Wanderparkplatz mit Informationstafel. Dieser ist Ausgangspunkt für eine ganz spezielle Unternehmung.

Der anfänglich bequem erscheinende Weg ändert rasch seine Charakteristik. Während der Anstieg im Wald noch eine moderate Steigung aufweist, nimmt die Steigung jenseits der Waldgrenze deutlich zu. Der ausgetretene Pfad führt zunehmend über blanken Fels, der je nach Wasserführung des begleitenden Bachlaufs auch überspült und glitschig sein kann. Festes Schuhwerk ist deshalb anzuraten. Nach einer guten Stunde Aufstieg und der Überwindung von knapp 400 Höhenmetern steht man vor dem Höhleneingang zur Trollkyrka.

Nun beginnt der außergewöhnliche Teil dieser Tour, denn bei der Trollkirche handelt es sich um einen lichtdurchfluteten, senkrechten Schacht am Ende eines Höhlenganges durch den ein Wasserfall in die Höhle stürzt. Das Wasser hat hier im Laufe von Jahrmillionen einen regelrechten Dom ausgewaschen. Der Weg dorthin ist stockdunkel und nur mit Taschenlampe / Stirnlampe zu machen. Dabei gilt es wiederholt die Blöcke der herabgebrochenen Decke zu überwinden und den Höhlenbach zu queren, der meist unter dem Geröll abfließt. Nach ca. 70 m und einer letzten Kletteraktion über beeindruckende Felsquader steht man dann staunend vor der sogenannte „Altartafel“ deren Wasserfall aus 14 m Höhe in einen Pool stürzt. Der vom Tageslicht diffus ausgeleuchtete Felsendom ist die perfekte Inszenierung für den aus dem Dunkel kommenden Besucher und verfehlt seine Wirkung nicht.

Ich habe die Tour am späten Nachmittag gemacht, um den Kontrast des einfallenden Tageslichtes etwas zu reduzieren. Da es schon spät war und sich das Wetter weiter verschlechtert hatte – es begann zu regnen – trat ich nach diesem kleinen Abenteuer den Rückweg an, ohne den oberhalb der Trollkirche liegenden Bergsee zu besuchen. Während des Abstiegs entlang der Aufstiegsroute hat man immer wieder reizvolle Ausblicke ins Tal.

Genauere Angaben zur Route und zur Höhle selbst findet ihr unter folgenden Links: Die Trollkirche (Trollkyrka) in Eide – Wanderung in die norwegische Fabelwelt und https://nordlandscape.de/trollkirche/

Entlang der Schärenküste 2

Von Risör aus fuhren wir meist auf Nebenstraßen weiter in Richtung Kristiansand. Gleich hinter dem Sandnesfjord bogen wir erstmals wieder zur Küste ab.

Wie hier bei Krabbesund hat das Meer an diesem Küstenabschnitt ganz besondere Schärengärten geformt. Rund gewaschene Felsformationen, Pools und tief eingeschnittene Kanäle bilden in dieser Region eine Landschaft von eigenwilliger Schönheit. Nicht selten findet sich am Ende eines schmalen Kanals ein kleiner, natürlicher Hafen.

Die Provinzstraße 411 verläuft meist entlang eines Gewässers. Seen und Meeresarme wechseln sich dabei ständig mit ausgedehnten Waldflächen ab.

Das Städtchen Grimstad schmückt sich gerne mit Henrik Ibsen, der hier eine Lehre als Apotheker absolvierte, bevor er als Schriftsteller Karriere machte. Das hübsche Städtchen mit seinen tollen Stränden ist in jedem Fall einen Besuch wert.

Weiter im Süden stießen wir auf der Suche nach einem Campingplatz auf die Ansiedlung Homborsund oder besser gesagt, auf deren idyllisch zwischen Felsformationen eingebetteten Hafen (Homborsund brygge).

Am nächsten Tag setzte sich der Wechsel zwischen besonderen Küstenformationen und idyllischen Städchen fort. Nachfolgend Aufnahmen von der Meerenge Blindleia. Diese erstreckt sich von Lillesand bis Gamle Hellesund im Süden und trennt auf einer Länge von 20 km zahlreiche Inseln vom Festland.

Einer der romantischsten Orte in diesem Bereich ist das alte Fischerdörfchen Brekkestö. Hier liese sich ohne große Vorbereitung jeder Rosamunde Pilcher Film drehen. Als Tourist sollte man die Bitte der Dorfbewohner unbedingt respektieren und das Auto auf dem Parkplatz vor der Ortschaft stehen lassen.