Am Passo di Giau

Hier oben auf dem Passo Giau (2236 m) fanden wir einen perfekten Übernachtungsplatz mit grandioser Aussicht. Siehe hierzu auch den Beitrag Südtirol. (Panoramaaufnahme zum Vergrößern anklicken.)

Am anderen Morgen weckte uns die Sonne mit einem phantastischen Lichtspiel.

Direkt hinter der Passhöhe lohnt sich ein letzter Blick auf die Ra Gusela.

mittendrin

Nach dem nächtlichen Ausflug zu den Drei Zinnen bestaunten wir am anderen Morgen die Bergwelt direkt vor unserem Camper. Gegen den Uhrzeigersinn wuchsen diese herrlichen Berge direkt vor unserer Nase in den Morgenhimmel und wir saßen mittendrin:

Der Monte Piana, …

… das Cristallo Massiv …

und die Cadini di Misurina mit ihrer zerklüfteten Skyline.

Nachdem wir diese Aussicht in uns aufgesaugt hatten, fuhren wir hinab zum Misurinasee. Hinter dem See thronte das mächtige Massiv der Drei Zinnen. Direkt unterhalb der Geröllfelder, kann man rechts die Auronzohütte erkennen.

Das Grand Hotel Misurina vor der Kulisse der Drei Zinnen zeigt die klassische Architektur alter Luxushotels.

Auf unserer Weiterfahrt in Richtung Süden passierten wir den Wintersportort Cortina. Die ersten Häuser liegen direkt am Fuße des Cristallo Massivs.

Unser Tagesziel war der Passo Giau über dem sich die Ra Gusela ganze 2595 m in den Himmel reckt.

Die Abendsonne setzte das Cristallomassiv noch einmal ins richtige Licht.

Der Kronplatz

Unser erstes Ziel in Südtirol war der 2275 m hohe Kronplatz bei Bruneck. Seit 1964 nach mehreren erfolglosen Anläufen der erste Skilift auf den Hausberg Brunecks gebaut worden war, entwickelte sich der Kronplatz zu einer Drehscheibe des Skilaufs. Inzwischen ist der Berg von allen Seiten erobert und zu einem Freizeitpark verkommen. Im Sommer gäbe es deshalb – mit Ausnahme der Downhill-Fahrer – aus meiner Sicht keinerlei Grund, den Kronplatz zu besuchen, wenn es dort nicht zwei Museen gäbe,

  • das Messner Mountain Museum, MMM Corones
  • und das Lumen, ein Museum für Bergfotografie.

Diese Museen wurden natürlich nur deshalb auf dem Kronplatz errichtet, um den Bergbahnbetreibern die Bilanz aufzubessern und den Tourismus im Sommer anzukurbeln. Lange habe ich daher mit mir gerungen, ob ich diesen neuen Trend der gesteigerten Nutzung des Alpenraums unterstützen sollte. Am Ende überwog die Neugier, denn auf dem Kronplatz gibt es ohnehin nichts mehr zu retten.

Das MMM Corones wurde von der bekannten irakisch-britische Architektin Zaha Hadid entworfen und 2015 eröffnet. Das absolut außergewöhnliche Bauwerk beherbergt das sechste und letzte Museum von Reinhold Messner und ist dem „traditionellen Alpinismus“ gewidmet. Während mich die Exponate und die Aufmachung der Ausstellung nicht immer überzeugen konnten, war ich von der Architektur begeistert, die immer wieder den Blick auf die Bergwelt in das Ausstellungskonzept einbezieht. Besonders beeindruckend fand ich die Lichtführung, welche die Besucher vom Eingang ausgehend in die verschiedenen Zweige des Museums lenkt.

Das Museum für Bergfotografie, Lumen, wurde 2018 eröffnet. Es zeigt auf drei Stockwerken die Entwicklung der Fotografie und speziell der Bergfotografie. Neben der Dauerausstellung sind auch thematisch begrenzte Wechselausstellungen zu sehen. Das Museum zeigt gute Ansätze dem Thema Bergfotografie durch besondere Ausstellungsformate gerecht zu werden, kann dies aber leider nicht durchhalten.

Hier zwei meines Erachtens gelungene Beispiele: Die an Reepschnüren aufgehängten Bilder und die Dunkelkammer, die an Decke, Wänden und Fußboden mit zahlreichen Bildschirmen ausgestattet ist. Diese zeigen teils statische Bilder, teils über mehrere Bildschirme gekoppelte Videosequenzen.

Positiv ist auch, dass das Museum in der umgebauten, alten Bergstation untergebracht wurde, die nach der Erneuerung der Bergbahnen um die Jahrtausendwende frei geworden war. Im Anbau integriert befindet sich das Restaurant AlpiNN vom Südtiroler 3-Sternekoch Norbert Niederkofler.

Der Kronplatz dient aber auch als Spielwiese ganz unterschiedlicher Interessen. So wurde auf dem Gipfel 1984 die St. Sebastian Kapelle errichtet. Anlässlich des 100. Jahrestag des Endes des 1. Weltkrieges mit dem auch die Teilung Tirols vollzogen wurde, hinterlegten dort die Schützenverbänden Nord- und Südtirols 2018 eine Reliquie des letzten habsburgischen Herrschers, Kaiser Karl I. Identitätspflege oder mehr?

2003 wurde über der Aussichtsplattform die Friedensglocke Concordia 2000 aufgestellt. Damit soll all jenen gedankt werden, die sich für den Ausbau des Kronplatzes eingesetzt haben und zugleich soll sie als Mahnmal für Eintracht und Frieden dienen.

Drei Zinnen bei Nacht

In der Abendsonne genoss ich den fantastischen Blick auf die Drei Zinnen. Aber auch der Paternkofel machte im warmen Licht der letzten Sonnenstrahlen eine gute Figur.

Bis zum Abend stiegen zahlreiche Alpinisten auf und biwakierten im Umfeld der Hütte, um am nächsten Morgen in einen der zahlreichen Klettersteige einzusteigen. Andere kosteten die letzten Sonnenstrahlen am Berg aus und machten sich mit Einbruch der Dunkelheit mit Stirnlampe auf den Rückweg. Dabei markierten sie ihren Weg wie Glühwürmchen mit Leuchtspuren.

Die Wolken hatten sich inzwischen tatsächlich aufgelöst, doch den früh aufgehenden Halbmond hatte ich nicht einkalkuliert, zumindest nicht mit einer derartigen Leuchtkraft.

Mit dem Mondlicht ergaben sich Bilder fast wie bei Tageslicht (oben die Drei-Zinnen-Hütte). Um in Richtung Drei Zinnen Aufnahmen zu machen (Gegenlicht), musste ich abwarten bis der Mond hinter der mittleren Zinne verschwunden war. Doch für ein wirklich gutes Sternenfoto war es auch dann noch zu hell. Die Milchstraße lässt sich nur erahnen.

Auf dem Rückweg war das Mondlicht so hell, dass ich nur dann meine Stirnlampe benötigte, wenn mich der Mond blendete. Gegen 0:30 Uhr war ich zurück am Parkplatz. Obwohl sich die Höhenunterschiede in engen Grenzen hielten, machte sich nach 9 Stunden die schwere Fotoausrüstung deutlich bemerkbar. Zu allem Überfluss stellten sich im Nachgang dann auch noch Probleme bei der Entfernungseinstellung heraus. Kleine Unachtsamkeiten auf die man gut und gerne verzichten könnte. Insgesamt hat sich die Unternehmung dennoch gelohnt. Sie warf einige ordentliche Bilder ab und bildete den Rahmen für wichtige Erfahrungen.

Drei Zinnen

Bild oben: Lago di Antorno mit den Drei Zinnen.

Die Drei Zinnen sind wohl die bekannteste Bergformation Südtirols. Vom Norden aus sind sie am einfachsten über Toblach und den am Col San Angelo gelegenen Misurinasee zu erreichen. Von dort aus gelangt man über eine mautpflichtige Straße vorbei am Lago di Antorno zur Rifugio di Auronzo in 2320 m Höhe.

Die unmittelbar unter der Südflanke der Drei Zinnen gelegene Auronzohütte ist Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Der Schwierigkeitsgrad variiert dabei von familienfreundlich bis zum alpinen Klettersteig.

Ich hatte mir vorgenommen von den Drei Zinnen Nachtaufnahmen zu machen. Hierzu startete ich am Nachmittag trotz deutlicher Bewölkung. Diese sollte sich nach der Wettervorhersage in der Nacht weitgehend auflösen. Der Weg führte mich an der Südrampe der Drei Zinnen entlang. Vorbei an der Cappella degli Alpini eröffneten sich Ausblicke hinab ins Val d´Ansiei.

Bild oben und unten: Der Blick zurück ohne und einmal mit den Drei Zinnen.

Über den Paternsattel (2454 m) setzte ich den Weg zur Drei-Zinnen-Hütte (2405) fort. Von dort aus bietet sich der berühmten Panoramablick auf die markante Felsformation der Drei Zinnen.

Ob es mit den Nachtaufnahmen tatsächlich noch etwas wurde, werde ich im nächsten Beitrag auflösen.

Hier noch einige Infos Zur Mautstraße: Die Maut für einen PKW beträgt 30 € und für einen Camper 45 €. Da das Ticket um Mitternacht abläuft sind bei einer Übernachtung für die Talfahrt nochmals 45 € fällig. Bei einer Anfahrt nach 19 Uhr ist nur die Talfahrt zu bezahlen. Eine genaue Angabe über die Anzahl der Parkplätze konnte ich nicht ermitteln. Nach meiner Schätzung dürften es aber mindestens 1500 sein. Selbst jetzt im Oktober waren diese Plätze bereits am Vormittag voll, so dass sich lange Warteschlangen bildeten. Zur Hauptsaison nicht auszudenken! Geschätzt werden über diese Maut in den Monaten Juni bis Oktober rund 20 bis 40 Millionen Euro umgesetzt. Ein Geschäft, das sich lohnt.

Südtirol

Der Passo di Giau im Widerschein des letzten Abendlichts. Die Passhöhe liegt südwestlich von Cortina auf 2236 Meter ü. NN.

Aufnahmedaten: 134 s bei f 22 und ISO 100, 16 mm

Piano Grande 2

Aber was will man überhaupt in Castelluccio bzw. im Piano Grande?

Abgesehen von den Bergsportlern, die dieses außergewöhnliche Hochtal schon länger schätzen, entwickelte sich das Piano Grande wegen seiner farbenprächtigen Wildblumenblüte von Mai bis Juli zu einem Touristenmagnet.

Die Tatsache, dass die Bauern hier von jeher die geschützte Linsensorte “lenticchie di Castelluccio” ohne den Einsatz von Pestiziden anbauen, ist Ursache für diese ungeheure Blütenpracht. So können sich die Wildblumen prächtig entwickeln. Die Bauern haben erkannt, dass die Wildblumen nicht nur zur Bodenverbesserung beitragen, sondern inzwischen auch die Tourismuskasse klingeln lassen.

Wir waren nicht zum optimalen Zeitpunkt im Tal, die Mohnblüte hatte gerade erst eingesetzt. Dennoch, es hat sich gelohnt. Die großartige Landschaft des Piano Grande ist immer einen Besuch wert.

Piano Grande 1

Das Hochtal Piano Grande, zu Deutsch große Ebene, liegt in den Sibillinischen Bergen im umbrischen Apennin auf rund 1350 m Höhe. Bis vor wenigen Jahren war diese abgelegene Ecke Italiens nur einigen Eingeweihten bekannt. Dies änderte sich schlagartig, als sich am 24. August und 30. Oktober 2016 in dieser Region zwei verheerende Erdbeben ereigneten. Die Ortschaft Castelluccio di Norcia, die bis dahin auf einem Hügel über der großen Ebene thronte, wurde beim zweiten Beben weitgehend zerstört.

Von der Hochebene aus täuscht der Blick auf das Bergdorf am Ende des Tales eine Idylle vor, die es so nicht mehr gibt. Auf den zweiten Blick kommen Zweifel auf, die aus der Nähe betrachtet zur Gewissheit werden. Nur noch wenige Häuser der einstmals geschlossenen Bebauung sind erhalten. Der Rest des Dorfes hat die Gestalt eines Steinbruchs angenommen.

Nachfolgend ein Archivbild zum Vergleich.

Auch die meisten noch erhaltenen Häuser sind nicht mehr bewohnbar. Heute, sechs Jahre nach den Erdbeben, ist vom Wiederaufbau noch immer nichts zu sehen. Nur die langen Passstraßen, über die der Ort zu erreichen ist, wurden bislang erneuert.

Doch die umbrischen Bauern geben nicht auf.

Sie kämpfen ums Überleben, für ihren Pecorino, den Linsenanbau und damit für die jährlich wiederkehrende Blütenpracht der Wildblumen.

Ob sie allerdings auf ihr Italien noch immer so stolz sind, wie jener Bauer, der in einem Aufforstungsprojekt die Umrisse des Landes auf den kahlen Hang gezaubert hat, sei dahingestellt.