Endlich am Meer

Mai 2024

Wir waren nicht auf direktem Wege angereist sondern hatten uns einige Tage Zeit gelassen, um auf dem Weg zur normannischen Küste einiges zu besichtigen. Doch für Landratten ist es immer wieder ein neuerliches Erlebnis am Meer anzukommen. Der salzige Geruch der ersten Brise, der erste Blick aufs Wasser und die entspannte Atmosphäre der Leute, die am Strand entlang schlendern, belebt die Lust aufs Reisen immer wieder neu.

Als wir in Dieppe die Küste erreichten hatte uns der Hochnebel eine derart diffuse Suppe eingebrockt, dass ich die Kamera nicht einmal in die Hand nahm.

Am späten Nachmittag klarte es dann auf, so dass wir in Quiberville den ersten Strandspaziergang genießen konnten. Eine Ecke weiter, in Saint-Aubin-sur-Mer ergatterten wir gerade noch den letzten Stellplatz direkt am Meer.

Abbaye Jumièges

Der französische Schriftsteller Viktor Hugo bezeichnete die Abtei Jumièges als schönste Ruine Frankreichs. Ob das zutrifft, kann ich nicht beurteilen, doch ein Hingucker ist dieses verfallene Benediktinerkloster allemal.

Durch dieses Eingangsgebäude gelangt man auf das ausgedehnte Areal.

Die Abbaye Jumièges, 654 in einer Seine-Schleife erbaut, war eine der größten und bedeutendsten Klosteranlagen Frankreichs. Zahlreiche Konstruktionsmerkmale, die hier erstmals zum Einsatz kamen, prägten den normannischen Stil späterer Kirchenbauten. Das Kloster wurde mehrfach zerstört und nach der Französischen Revolution als Steinbruch benutzt. Unglaublich, dass trotzdem noch derart monumentale Mauerreste dem über Jahrhunderte andauernden Verfall standhielten. Noch heute überragen die 46 m hohen Zwillingstürme die romanische Klosteranlage.

Die gewaltigen Mauerreste, die sich wie Gerippe eines gestrandeten Wals gen Himmel recken, lassen das Ausmaß der einstigen Abtei nur noch erahnen.

Gerade dieser Verfall ist es, der die Besucher heute in die Abtei lockt. Ein wirklich lohnendes Ziel.

Claude Monet in Giverny

Mai 2024

Impressionismus gilt in Frankreich nicht nur als Kunstrichtung sondern als Bewegung und diese feiert 2024 ihr 150-jähriges Bestehen. Grund genug also während einer Fahrt in die Normandie, die Wirkungsstätte von Claude Monet in Giverny aufzusuchen. In diesem kleinen Dörfchen im Tal der Seine lebte Monet von 1883 bis zu seinem Tod 1926. Zahlreiche Szenen aus der Umgebung und aus seinem Garten haben in seinen Kunstwerken ihren Niederschlag gefunden, wie zum Beispiel der Seerosenteich.

Monets Haus und Garten werden heute von einer Stiftung touristisch erfolgreich  vermarktet. Es werden wohl an die hunderttausend sein, die jährlich durch Haus und Hof gelotst werden. Während der Garten – je nach Jahreszeit –  unterschiedliche Impressionen generiert, …

… ist  Monets Haus eine einzige Katastrophe! Ich habe noch niemals und nirgends zuvor eine lieblosere und qualitativ schlechtere Präsentation von Kunstwerken gesehen als an diesem Ort. Natürlich sind es Unmengen an Menschen, die hier täglich durchgeschleust werden, aber muss man die so abspeisen? Wie kann man Räume mit großer Kunst vollflächig und redundant tapezieren und dann auch noch mit schlechten Reproduktionen und das an der originären Wirkungsstätte eines Künstlers, der als Flaggschiff einer ganzen Bewegung gilt. Dabei hätte das Haus durchaus Potenzial.

Monet hat es wirklich nicht verdient, dass er zur Touristenfalle mutiert. Wenn der wüsste, welches Schindluder mit ihm getrieben wird, „der würde sich im Grabe umdrehen“, wie meine Mutter zu sagen pflegte.

Doch es gibt auch noch etwas Positives zu berichten, der Übernachtungsplatz für Camper ist umsonst.

Im Nachbarstädtchen Vernon gibt es unter anderem die alte Mühle zu bestaunen, die auch heute noch die MalerInnen anzieht.

Kunst am Kaiserstuhl

Der Kaiserstuhl ist, aller Trassierungen zum Trotz, bei vielen Naturfotografen wegen seiner speziellen Biotope bekannt. Hier bekommt man Kolonien der Bienenfresser, Smaragdeidechsen, Gottesanbeterinnen, seltene Orchideen und vieles mehr vor die Linse. Nicht aber im Februar. Deshalb macht ein Ausflug in die Welt der Kunst durchaus Sinn.

Wir besuchten die Kunsthalle Messmer in Riegel. Die ist stilvoll im Schloss der ehemaligen Riegeler Brauerei untergebracht. Diese stellte 2003 den Betrieb ein. Die Marke „Riegeler Bier“ blieb jedoch erhalten. Allerdings wird das Bier heute von der Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei in Donaueschingen gebraut.

In der Kunsthalle Messmer besichtigten wir die Chagall-Ausstellung „Geträumte Welten“. Doch was uns überrascht und deshalb besonders begeistert hat, fanden wir im Nebenraum für moderne Kunst. Dort waren unter anderem Objekte des chinesischen Künstlers Zhuang Hong – Yi ausgestellt. Der studierte in Peking und den Niederlanden, wo er sich von den Tulpenfeldern inspirieren ließ. Heute lebt er zusammen mit der Künstlerin Lu Luo abwechselnd in der Schweiz oder in China.

Abertausende Röllchen aus Reispapier werden von ihm gefaltet, bemalt und zu Objekten zusammengefügt, dessen Farben sich je nach Betrachtungswinkel verändern.

Der japanische Künstler Tashiyuki Miura überzeugte uns mit seinen Lichtkugeln.

Begeistert hat uns auch die Skulptur „Mickey Assis Golfeur“ des belgischen Künstlers Xavier Wttrwulghe.

Die Galerie war sehr gut besucht. Die Besucher kamen aus der Schweiz, aus Frankreich und natürlich auch aus Deutschland. Für alle Vespa-Fans unter euch, die nächste Ausstellung, „Bella Italia“, widmet sich diesem Kultobjekt. Hier der Direktlink.

Alle gezeigten Innenaufnahmen sind Handybilder, da das Fotografieren mit normalen Kameras in der Kunsthalle leider verboten war..

Street Art Museum MAUSA Vauban

Die von 1698 bis 1704 von Vauban errichteten Festungsmauern umschließen den Ort Neuf-Brisach vollständig. Auch wenn einen der Ort auf den ersten Blick nicht vom Hocker reißt, so ist dieses bauliche Gesamtarrangement doch einmalig. Absolut sehenswert ist jedoch das Museum für Urban Art und Street Art MAUSA, das seit 2018 in den Kasematten des UNESCO-Weltkulturerbes untergebracht ist.

Gleich am Eingang zieht ein über Eck gemaltes Porträt das Interesse auf sich und macht neugierig auf das was noch kommt.

Lange schmale Gänge erschließen über zwei Flügel zahlreiche Räume. Platz genug, um der Kreativität von ca. 30  KünstlerInnen freie Entfaltung zu ermöglichen. Clementine Lemaitre und Stanislas Belhomme, die Gründer des MAUSA stießen mit ihrer Idee anfänglich auf Skepsis. Würden sich Street Art Künstler in einem Museum zähmen lassen? Doch der Erfolg gibt ihnen Recht.

Das Konzept der Ausstellungsmacher überzeugt. International renommierte Künstler der Szene werden eingeladen, ihre Spuren zu hinterlassen. Ihre Werke werden für ca. 5 Jahre erhalten, dann wird die Fläche für neue Projekte freigegeben. So ist das Museum einem ständigen Wandel unterzogen und die Chancen sind gut, dass man Künstler bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist die beeindruckende Vielfalt, die auf diese Weise generiert wird.

Zum Abschluss noch ein Schmankerl: Die Frage, ob sich Vauban über sein Porträt gefreut hätte, das der Künstler C215 alias Christian Guény auf Vaubans altem Gemäuer aufgetragen hat, stellt sich nicht wirklich. Immerhin taugen die Wände noch heute als Bildträger, während sie ihren eigentlichen Zweck, uneinnehmbar zu sein, nie erfüllt haben.

Wichtiger Hinweis: Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Dies betrifft einerseits die Rechte des Museums „Copyright MAUSA Vauban“ sowie meine Rechte als Fotograf. Das Kopieren auch von Teilen ist nicht gestattet.

Mit dem Link @mausa.streetart geht es direkt zum Museum.

Ludwigs Erbe

Dieser Tage waren wir wieder einmal am Bodensee unterwegs. Da die Städte Meersburg und Überlingen recht überlaufen sind, steuerten wir für einen Spaziergang am Seeufer die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen an. Der Ort hat mit seinem alten badischen Zollhaus nicht nur historisch, sondern auch künstlerisch etwas zu bieten. Dazu trägt insbesondere der ortsansässige Künstler Peter Lenk bei.

Bekannt ist Lenk für seine gewaltigen Plastiken aus Gussbeton mit denen er in satirischer Weise auf Missstände in der Gesellschaft hinweisen möchte. Insbesondere im süddeutschen Raum sind seine Kunstwerke weit verbreitet. So hat er 2008 mit dem Triptychon „Ludwigs Erbe“ die Außenwand der öffentlichen Toilette am alten badischen Zollhaus in seiner Heimatstadt Ludwigshafen am Bodensee gestaltet. In der für ihn typischen Weise setzte er sich mit der Entwicklung des Ortes bis in die Neuzeit auseinander.

Wegen der nackten Darstellung namhafter Größen aus Politik, Wirtschaft und Kirche sorgte insbesondere die dritte Tafel des Werkes bundesweit für Wirbel. So erkennt man unter dem Banner „Global Players“ Hans Eichel, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle, die sich an die Geschlechtsteile fassen. Weiterhin sind bekannte Top-Manager abgebildet, die im Geld baden. Dargestellt sind Josef Ackermann, Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Schwurhand, der ehemalige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Ex-EnBW-Chef Utz Claassen.

In Ludwigshafen gibt es aber noch mehr zu bestaunen, so dass sich ein Besuch allemal lohnt und ein gutes Restaurant ist auch gleich um die Ecke.

Winterträume

Die Bergbahn am Füssener Jöchle in Grän (Tannheimer Tal) bringt Skifahrer und Wanderer in wenigen Minuten von ca. 1200 m zur Bergstation auf über 1820 m Höhe. Letzten Samstag war dies die Fahrt in eine traumhafte Winterlandschaft.

Doch diese weiße Pracht währte nicht lange. Nach dem Wärmeeinbruch am Sonntag sind die Bäume bereits wieder schneefrei.

Die Stadtführerin

Die Stadtführerin, die uns durch die alten Gemäuer von Regensburg geführt hat, kann ich nur empfehlen. In Rom geboren und aufgewachsen kam sie in jungen Jahren nach Deutschland. Nach mehreren Zwischenstationen hat sie sich schließlich in Regensburg niedergelassen. Kein Wunder, geht Regensburg doch auf ein römisches Heerlager zurück, dessen Befestigungsanlagen noch im heutigen Stadtbild ihre Spuren hinterlassen haben. Die Vergangenheit Regensburgs mit dem Herzen und aus dem Mund einer Römerin zu erfahren, ist einmalig, amüsant und höchst informativ zugleich. Ihr Temperament, das so nur Italienerinnen entwickeln können, machte unsere Stadtführung zum absoluten Genuss.

Wer bei Sabrina Capasso eine Stadtführung buchen möchte hier ihre Mailadresse: sabrinacapasso@web.de

Zu Regensburg siehe auch den Beitrag zur Steinernen Brücke.