Das obere Bild zeigt den Haupteingang zur Freistadt Christiania. Wer Christiania betritt, spürt sofort, dass hier die Uhren anders ticken. Das alternative Wohngebiet mit ca. 900 Einwohnern liegt jenseits des Hafenkanals im Kopenhagener Stadtteil Christianshaven auf einem ehemaligen Militärareal. Das Gelände wurde 1971 besetzt und ein „Freistaat auf basisdemokratischer Grundlage ausgerufen. Heute ist die Siedlung von den Behörden als autonome Gemeinschaft toleriert. Zuvor gab es jedoch einige Probleme zu bewältigen. Insbesondere der legale Drogenmarkt führte zur „Einwanderung“ einer kriminellen Szene. Anfangs der 2000er-Jahre kam es zu Mord und Totschlag. Dies führte zur Schließung des lokalen Drogenmarktes. Allerdings brachte erst der Abriss der Pusher Street die erhoffte Entspannung.
Christiania war deshalb lange Zeit verrufen und von Besuchen wurde abgeraten. Dies hält sich bis heute hartnäckig in manchem Reiseführer. Inzwischen kann die Freistadt jedoch ohne Probleme besucht werden. Dies gilt zumindest für den vorderen Bereich, der als „Begegnungszone“ für externe Besucher betrachtet werden kann. Hier trifft man auf zahlreiche Verkaufsstände sowie auf gastronomische und künstlerische Angebote. Sogar Führungen werden veranstaltet. Irgendwie muss sich die Gemeinschaft ja finanzieren. Etliche Gebäude in diesem Bereich hinterlassen allerdings eher den Eindruck von Bruchbuden, als den stabiler, auf Dauer angelegter Behausungen.
Von Christiania gingen und gehen auch positive Impulse aus. So gibt es eine beachtenswerte Kunst- und Theaterszene und auch das Lastenrad startete von hier aus unter dem Markennamen „Christiania“ seinen Siegeszug um die Welt.
Seit 2012 haben sich die Bewohner Christianias mit der Stadtverwaltung auf eine Art Mietkauf des Areals geeinigt. Sie zahlen Steuern und Abgaben und zusätzlich eine Abgabe für die eigene Verwaltung. Das soziale Experiment „Freies Christiania“ gilt heute als weitgehend geglückt und steht für viele für die dänische Toleranz im Zusammenleben.