3-Flüsse-Fahrt 3, Aus- und Einblicke

Die Idylle trügt! Der Blick auf die berühmte Rheinschleife bei Boppard täuscht genauso eine heile Welt vor, wie die Uferpromenaden in so manchem Städtchen. Dahinter lauert jedoch nicht selten der Verfall, denn die Region steckt seit vielen Jahrzehnten in einer tiefen Strukturkrise. Auch wenn seit der Jahrtausendwende viel getan wird, um diese zu überwinden, scheint mir der Erfolg nicht garantiert, denn die Probleme sind komplex.

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In den letzten hundert Jahren ist die bewirtschaftete Rebenfläche auf ca. ein Sechstel geschrumpft. Die steilen Hanglagen konnten im Zeitalter der Massenweine nicht mehr profitabel bewirtschaftet werden und wurden aufgegeben. Damit brach nicht nur für viele die Erwerbsgrundlage weg, sondern die brachen Flächen veränderten erkennbar und nachhaltig das vom Weinbau geprägte Landschaftsbild. Dies zu erhalten ist jedoch Voraussetzung für den Tourismus, das zweite Standbein der Region. Doch auch hier, sind spätestens seit den 80er Jahren die Zahlen drastisch eingebrochen.

Inzwischen hat sich der Rückgang beim Weinbau auf niedrigem Niveau stabilisiert. Vereinzelt werden sogar wieder Weinberge rekultiviert, denn neben den Subventionen gibt es auch eine zunehmende Zahl an Konsumenten, die es sich leisten können, etwas mehr für einen besonderen Tropfen auszugeben. Auch für den Tourismus  hat man alle Hebel in Bewegung gesetzt. So gibt es nicht nur einen durchgängigen Radweg, sondern mit dem Rheinsteig und dem Rheinburgenweg gleich zwei herausragende Fernwanderwege.

Die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO im Jahr 2002 brachte der Region zusätzliche Impulse und der Zuschlag für die Bundesgartenschau 2029 sorgt bereits heute für einen erkennbaren Mittelzufluss. Es bleibt also nichts unversucht, um den Trend umzukehren.

Die Schwarzweiß-Bilder zeigen den Blick vom hoch über dem Rheintal liegenden Campingplatz Burg Lahneck auf das Städtchen Lahnstein, das mit dem gegenüberliegenden Rheinufer zu verschmelzen scheint.

Im bewaldeten Hang gegenüber erblickt man das Schloss Stolzenfels, das als Aushängeschild der Rheinromantik gilt. Zwar stand hier bereits seit dem 13. Jahrhundert eine Burganlage, doch das heutige Schloss wurde erst von 1826 bis 1842 durch den damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preusen errichtet. Dieser hatte 1823 nach einigem Zögern die Schenkung der Stadt Koblenz angenommen und ob seiner Begeisterung für die Rheinromantik den Ausbau der Ruine vorangetrieben.

Weitere Beiträge zu unserer 3-Flüsse-Fahrt siehe: 3 Flüsse-Fahrt 1, der Rheingau, 3-Flüsse-Fahrt 2, die Loreley, 3-Flüsse-Fahrt 4, Limburg an der Lahn, 3-Flüsse-Fahrt 5, die Lahn, 3-Flüsse-Fahrt, Schluss

3-Flüsse-Fahrt 2, die Loreley

Gleich hinter Bingen gräbt sich der Rhein tief in das Rheinische Schiefergebirge ein. Aus der Weite des Rheingaus knickt der Strom unmittelbar hinter Bingen abrupt Richtung Norden ab und fließt durch das Binger Loch hinein in das eng und tief eingeschnittene Obere Mittelrheintal.

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Dort windet sich der Fluss mit beachtlichem Gefälle und in engen Kurven um steil ins Tal stürzende Bergflanken, wie die Loreley. Stoff für Mythen, Märchen und Romantik. Zur Romatisierung des Rheins trugen viele Maler, Dichter und Schriftsteller bei. Unter ihnen auch Hochkaräter wie Goethe und Hölderlin, aber auch der Engländer Lord Byron. Die bekannteste Sagenfigur erfand jedoch Clemens Brentano 1801 mit seiner Lore-Ley, die Friedrich Silcher 1837 mit seinem Lied unsterblich machte.

Das verwundert nicht, denn die S-Kurve um die Loreley zählte einst zu den berüchtigtsten Passagen der Flussschiffahrt. Erst die starken Schiffsmotore ermöglichten in Verbindung mit modernen Strahlrudern ein so präzises Navigieren, dass die Befahrung heute reine Routine ist. Radar und Signalanlagen am Ufer gewähren eine sichere Fahrt bei jeder Sicht. Aller Technik zum Trotz ist der letzte Schiffsunfall noch nicht so lange her. Am 13. Januar 2011 havarierte ein Tankmotorschiff bei St. Goarshausen unweit der Loreley. Zwei der vier Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Erst nach 3 Wochen hatte sich der Rückstau von 420 Schiffen aufgelöst.

Der Schiffsverkehr auf dem Rhein ist insbesondere auf diesem kurvenreichen Abschnitt ein echtes Spektakel, das mancher vom Ufer aus über Stunden beobachten kann.

Bei Nacht zeigt sich, dass die Loreley nicht nur für Deutschlands größte Wasserstraße, sondern auch für die Milchstraße eine impossante Klippe darstellt. Der helle Lichtfleck gehört zu einer von mehreren Signalanlagen, die den Schiffsverkehr im Bereich der Loreley regeln.

Weitere Beiträge zu unserer 3-Flüsse-Fahrt siehe: 3 Flüsse-Fahrt 1, der Rheingau, die Loreley, 3-Flüsse-Fahrt 3, Aus- und Einblicke3-Flüsse-Fahrt 4, Limburg an der Lahn 3-Flüsse-Fahrt 5, die Lahn, 3-Flüsse-Fahrt, Schluss

3 Flüsse-Fahrt 1, der Rheingau

Kaum hat man die Grenze zum Rheingau überschritten, spürt man, dass die Kunst des „dolce vita“ auch mitten in Deutschland seine Heimat finden kann. Am rechten Rheinufer von Mainz, am Kasteler Strand, wurde mit den Corona-Lockerungen die Beach wieder geöffnet. Palmenkübel sorgen für das südländische Flair und der überdimensionale Sandkasten bietet für alle Altersgruppen etwas. Gleich nebenan wird das lockere Leben am Rheinufer durch einen schattigen Biergarten und ein nettes Gartenlokal bereichert.

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Im Rheingau finden sich die Zentren der deutschen Sektproduktion und so berühmte Weinorte wie Eltville.

Oberhalb von Rüdesheim wurde 1764 ein Landschaftspark nach englischem Vorbild eröffnet. Der Ostein´sche Park war zugleich Ausdruck und Inspiration für die mit der Industrialisierung aufkommende Rheinromantik. 1788 wurde der Park um einen griechischen Rundtempel, den Monopteros, erweitert. Dieser wurde 1944 bei einem Luftangriff zerstört und erst 2006 neu aufgebaut.

Von hier oben genießt man eine fantastische Aussicht auf den Rhein und die Rieslinglagen des Rheingaus, die sich an den Südhängen des Taunus bis hinab ans Rheinufer erstrecken.

Auch die Germania blickt von ihrem 25 m hohen Sockel hinab auf den Rhein. Als 12 m große und 32 t schwere Monumentalfigur, verkörpert sie das Deutsche Volk, das sich nach dem siegreichen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 unter seinem Kaiser eint. Mit der Germania erhielten die Deutschen eine Integrationsfigur, wie sie die Franzosen mit ihrer Marianne, die Briten mit ihrer Britannia oder die Schweizer mit ihrer Helvetia bereits hatten.

Das Niederwalddenkmal oberhalb Rüdesheim gilt als bedeutendstes Denkmal zur nationalen Einheit Deutschlands im 19. Jahrhundert.

 

Weitere Beiträge zu unserer 3-Flüsse-Fahrt siehe: 3-Flüsse-Fahrt 2, die Loreley, 3-Flüsse-Fahrt 3, Aus- und Einblicke, 3-Flüsse-Fahrt 4, Limburg an der Lahn3-Flüsse-Fahrt 5, die Lahn, 3-Flüsse-Fahrt, Schluss

 

 

rätselhaft

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Ja, es ist Schachtelhalm. Allerdings handelt es sich nicht um die sterilen Sprosse, die wir alle kennen, sondern um die sporenzientragenden Triebe, die deutlich vor den allgemein bekannten Austrieben versuchen, gegen die Nachtfröste anzukommen.

Frauenschuh

Normalerweise zeige ich auf meiner Homepage keine Bilder von geschützten Pflanzen, während diese noch in voller Blüte stehen. Doch nachdem die Lokalpresse in Zusammenarbeit mit einem örtlich bekannten Naturfotografen die Blütensaison großformatig angekündigt hat, brauche ich mich nicht mehr zurückhalten.

Die mahnenden Worte in der Presse blieben nicht ohne Wirkung. Während vor 10 Tagen nur der übliche Trampelpfad zum Standort führte, verlief an diesem Wochenende bereits ein zweiter Pfad durch den Bestand. Wie so oft zählt eben nicht die gute Absicht, sondern das Resultat. Dieser Pressebericht diente dem Bestandschutz sicher nicht.

Um bei den Pflanzen auf Abstand bleiben zu können, fotografierte ich mit einem Tele und griff zum Teil auf Bildausschnitte zurück.

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Die Blüten schieben sich vorsichtig aus dem Blattkelch. Nicht selten sind zwei „Schuhe“ übereinander angeordnet. Nachfolgend einige Eindrücke von voll entwickelten Exemplaren.

Doppelter Süden

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Manni hat zu seinem Projekt „Luftaufnahmen“ eingeladen. Mein Beitrag zielt auf den Kontrast, denn er besteht zum einen aus Aufnahmen vom herbstlichen Albtrauf (Süddeutschland), die in warmen Farbtönen gehalten sind.

Zum anderen zeigt mein Beitrag Luftaufnahmen aus der Südsee, in denen die Blautöne überwiegen.

Zweimal Süden = doppelter Süden!

Gegen den Corona-Koller 5

Die Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern.

Mit Manni, der auch eine eigene Homepage unterhält (mannisfotobude), traf ich mich unlängst zu unserem zweiten „Bloggertreffen“, wie er zu sagen pflegt. Unser Ziel war das abendliche, durch Corona entvölkerte Tübingen. Wir wollten eine der letzten Gelegenheiten nutzen, um die leeren, leblosen Gassen und Plätze festzuhalten.

Mit den letzten Sonnenstrahlen erklommen wir über den Kapitänsweg den Schlossberg und fanden sogar den Eingang zum Schloss Hohentübingen. Von dort erhaschten wir noch einen flüchtigen Blick ins Neckartal, das bereits im Schatten der untergehenden Sonne lag.

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Kurz nach 20 Uhr, also bei bestem Licht, wurden wir von der Security aus dem Schlosshof rausgeschmissen. Das nachfolgende Bild zeigt einen letzten Blick vom Schloss über die im Ammertal liegende Altstadt. Rechts, in Verlängerung der Schlossmauer, erkennt man das erleuchtete Verbindungshaus der Burschenschaft Roigel. Dieses steht in exklusiver Lage direkt vor dem Schlosstor und ist eines der wenigen Häuser Tübingens, das Ausblicke sowohl ins Ammertal (links) als auch ins Neckartal ermöglicht.

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Im Garten des Verbindungshauses steht die größte und älteste Freiluftkegelbahn Süddeutschlands. Sie soll bereits 1789 erbaut worden sein. Das Ende der Kegelbahn markiert ein Gartenhaus (Fachwerksbau rechts unten), in dem auch schon Eduard Mörike gewohnt haben soll, die sogenannte „Villa Rattenkull“.

Den nahezu menschenleeren Marktplatz erreichten wir zur blauen Stunde. Über die Kornhausstraße, die wie die restlichen Gassen weitgehend entvölkert war, gelangten wir zur Krummen Brücke. Dort liesen wenigstens die Fahrräder Rückschlüsse auf die dort lebende Bevölkerung zu.

Ein Besuch in Tübingen ohne den obligatorischen Blick auf die Neckarfront ist natürlich undenkbar. Wir hatten uns das am häufigsten abgelichtete Motiv der Stadt für den Schluss aufgehoben. Sogar die Venus gesellte sich dazu, die an diesem Abend durch eine leichte Schleierbewölkung etwas aufgeblasen daherkam.

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Der Ipf bei Bopfingen, ein Zeugenberg, erhebt sich mit 668 m hoch über die Stadt und ist mit seiner markanten Silhouette das Wahrzeichen Bopfingens. Schon von jeher zog der Ipf mit seiner exponierten Lage die Menschen in seinen Bann. Die beeindruckendsten Siedlungsreste haben die Kelten hinterlassen. Vieles spricht dafür, dass sich auf dem Ipf der Sitz eines bedeutenden Keltenfürsten befand. Das imposante System aus mehreren Ringwällen, die den gesamten Berg mehrfach umschlossen haben, ist noch heute selbst aus großer Entfernung gut zu erkennen.

Vom Wanderparkplatz aus hat man mehr als die Hälfte des Anstieges bereits hinter sich. Über eine schöne Lindenallee erreicht man das Hochplateau des Berges. Die Allee wurde 1811 angelegt, als der württembergische König den Ipf besuchte.

Bereits beim Anstieg bekommt man Einblicke in das System der bis zu 6 m mächtigen Ringwälle. Der Ausblick von oben auf Bopfingen, die weit verstreuten Gemeinden und das Nördlinger Ries ist phantastisch.

Der unterhalb des Plateaus gelegene Ringwall trägt zahlreiche aus Steinen gelegte Liebesbezeugungen und sonstige Lebensnachweise. Ein recht aktuelle Aufschrift verweist auf Corona und bietet zugleich Lösungen an: Bier und die Liebe zu Marie. Da kann ja nicht mehr viel schief gehen.

Weiter im Westen passiert man das Schloss Kapfenburg. Die ehemalige Deutschordensfeste, seit 1806 dank Napoleon im Besitze des Landes Baden-Württemberg, ist heute eine internationale Musikschulakademie.

In einem Taleinschnitt des Albtraufs südlich von Aalen ist die Quelle des Weißen Kochers ein lohnendes Ziel.  An zahlreichen Stellen sprudelt und sickert das Wasser aus dem Hang, eine Karstquelle wie aus dem Bilderbuch, die bereits nach wenigen Metern ein munteres Bächlein füllt.

Bei Schneeschmelze oder ergiebigen Niederschlägen tritt das Wasser aus einem Bröller beachtlicher Größe direkt aus dem Steilhang. Wegen des trockenen Frühjahrs war dieser bei unserem Besuch leider nicht mehr aktiv, doch bereits knapp darunter trat das Wasser an die Oberfläche.

Nach dem Zusammenfluss mit dem Schwarzen Kocher firmiert das Flüsschen dann unter dem schlichten Namen Kocher. Dieser mäandriert hinter Abtsgmünd durch ein herrliches Tal der Stadt Gaildorf entgegen.