Werksviertel – München

Vom Stadtzentrum gelangt man mit der U5 zum Ostbahnhof. Jenseits des Gleiskörpers, am ehemaligen Produktionsstandort der Firma Pfanni, erstreckt sich heute das sogenannte Werksviertel-Mitte. Hierzu schreibt die kommunale Tourismusorganisation Münchens: „Vielleicht beginnt Münchens Zukunft gleich hinter dem Ostbahnhof. Zumindest mausert sich hier seit knapp sieben Jahren ein Industriegelände zu einem urbanen Trend-Viertel, das Einheimische und Tourist*innen gleichermaßen anlockt. … In jedem Fall ist für alle etwas geboten im Werksviertel-Mitte. Denn hier vereinen sich Kreativität und Kommerz, Arbeiten und Wohnen, Underground und Establishment.“ Das sind große Worte. Ob sie sich bewahrheiten, wird sich erst im Laufe von Jahrzehnten herausstellen.

Doch man muss anerkennen, dass sich hier zwischen den Glaspalästen der Büro- und Wohnhäuser und alter Bausubstanz eine bunte Szene etabliert hat. Von Kunst- und Kulturschaffenden über Bars, Cafes und Kleingewerbe bis zum Boulderzentrum und zum Riesenrad ist hier alles zu finden und trägt dazu bei, dass das Quartier lebt. Das macht Hoffnung und vielleicht gelingt dieses Experiment, das nach neuen Formen urbanen Lebens sucht und in der Vielfalt die Triebfeder für eine dauerhafte Entwicklung sieht. Wenn dies tatsächlich gelingt, wäre der Deutsche Städtebaupreis 2023 zu Recht verliehen worden.

In jedem Fall ist das Werksviertel einen Besuch wert. Alleine schon wegen der Graffitis lohnt sich der Weg hierher. Und einen selbstgebackenen Apfelkuchen guter Qualität für 2,50 € und die Tasse Kaffee für 2 €, wo bekommt man das in München sonst noch? Doch lohnt sich durchaus auch ein längerer Aufenthalt. Insbesondere für Architekturfotos, Streetfotgrafie und Nachtaufnahmen scheint dieses Quartier besonders gut geeignet.

Münchner U-Bahnstationen – Schluss

An der Endstation der Linie 1, dem „Olympia-Einkaufszentrum“, fand auch unser fotografisches Projekt sein vorläufiges Ende. Hier brachten wir letztmals Kamera und Stativ in Stellung und setzten die futuristische Wandverkleidung in Szene.

Ganz in der Nähe der U-Bahnstation gibt es ein B&B-Hotel und Möglichkeiten, ein Fahrzeug ohne Parkgebühren am Straßenrand abzustellen. Das sind gute Rahmenbedingungen für die Durchführung einer solchen Aktion, denn nach fünf Stunden konzentrierter Arbeit ist es nicht verkehrt, wenn gegen drei Uhr nachts ein Bett in der Nähe ist.

Weitere Bilder zu Münchner U-Bahnstationen finden sich hier: Teil 1, Teil 2.

Münchner U-Bahnstationen – Teil 2

Wir starteten unser fotografisches Projekt am St.-Quirin-Platz nahe dem südlichen Ende der Linie 1 und arbeiteten uns langsam in nördlicher Richtung durch. Nicht alle Bahnhöfe, die wir ablichten wollten, waren „bespielbar“. Manchmal wurde gerade gebaut, so dass zahlreiche Wand- und Deckenverkleidungen fehlten. So war nach dem Candidplatz (letzter Beitrag) unser nächster Halt am Westfriedhof.

Natürlich wurden all die Bahnhöfe schon vielfach abgelichtet. Dennoch ist es eine spezielle Herausforderung, die unterschiedlichen Lichtsituationen in den Griff zu bekommen, ohne auf HDR-Belichtungen auszuweichen. Und dann bleibt ja immer noch die Hoffnung, dass man etwas Neues entdecken könnte, das so noch niemand gesehen hat.

Es folgte die Station Georg-Brauchle-Ring. Hier interessierte mich besonders die metallisch glänzende Deckenverkleidung in der sich die farbigen Paneele der Seitenwände spiegelten und abstrakte Kunstwerke hervorbrachten.

Weitere U-Bahnstationen siehe im letzten und im nachfolgenden Beitrag.

Münchner U-Bahnstationen – Teil 1

München hat ein leistungsfähiges U-Bahnnetz. Das Tagesticket für das gesamte Stadtgebiet ist für unter 10 € zu haben, eine ideale Möglichkeit, um schnell an den gewünschten Ort zu kommen. Seit 1971 die erste U-Bahnstrecke in Betrieb ging, wurde das Netz auf über 100 km Länge ausgebaut. Rund 400 Millionen Fahrgäste wurden 2023 befördert.

Von diesen objektiven Fakten abgesehen, lassen sich manchem U-Bahnschacht auch ästhetische Aspekte abgewinnen. So gibt es auf der Linie 1 mehrere Stationen, für die sich ein nächtlicher Aufenthalt im Untergrund lohnt. Wer alleine zum Fotografieren unterwegs ist, wird wohl so durchkommen, für eine Gruppe ist jedoch eine Genehmigung zwingend erforderlich. Wir, eine Gruppe des Photoclubs Reutlingen, fotografierten an einem Samstag ab 21 Uhr bis Sonntag um 2 Uhr.

Unsere erste Station war St.-Quirin-Platz. Dieser U-Bahnhof strahlt einen morbiden Scharm aus und ist gut geeignet, um sich an die Unterwelt heranzutasten, denn es braucht Zeit, bis man sich eingesehen hat. Erst nach und nach gelingt es, die fremde Umgebung fotografisch zu interpretieren.

Selbst nüchterne Übergänge, die von einem U-Bahnschacht zum andern führen, haben eine gewisse Ästhetik. Man muss sie nur erkennen.

Unsere zweite Station, Candidplatz, ist im Vergleich zum St.-Quirin-Platz die reinste Farbenschachtel. Fotografisch eine völlig andere Herausforderung.

Weitere U-Bahnstationen folgen im nächsten Beitrag.

Justizpalast München

Der Justizpalast in München ist ein gewaltiges Bauwerk, das Ende des 19. Jahrhunderts im neobarocken Baustil errichtet wurde. Das Gebäude am Karlplatz (Stachus) beherbergt in den oberen Etagen das Bayerische Staatsministerium der Justiz und in den unteren die Zivilkammern des Landgerichts München.

Unter Fotografen bekannt ist der grandiose, offene Treppenaufgang, der beidseits der riesigen Zentralhalle die Etagen erschließt und in über 60 m Höhe von einer riesigen Glaskuppel überdacht wird.

Der Justizpalast ist öffentlich zugänglich. Allerdings muss man beim Betreten eine Sicherheitsüberprüfung über sich ergehen lassen. Im Justizpalast setzt man sich auch mit der Rolle der Justiz während des 3. Reiches auseinander. Eine Gedenkstätte erinnert an den Schauprozess gegen die Mitglieder der „Weißen Rose“.

Die Stuhlsteige

Die Stuhlsteige verbindet Pfullingen am Albtrauf mit Genkingen auf der Albhochfläche. Auf 7 km Länge überwindet sie die 330 Höhenmeter des Steilabfalls. Ich fotografierte die „Passstraße“ von einem vorgeschobenen Schwammriff des 825 m hohen Wackersteins. Dieser Aussichtsfels liegt an der Traufkante direkt gegenüber der Stuhlsteige.

Mein Ziel war, die Strecke so aufzunehmen, dass sie trotz der Bewaldung auf der gesamten Länge weitgehend ausgeleuchtet wird. Dazu mussten die Bäume bereits etwas Laub abgeworfen haben, damit sie lichtdurchlässig wurden. Die Herbstfärbung sollte aber erkennbar sein.

Darüber hinaus gab es noch einiges zu bedenken und auszutüfteln:

  • Es musste bereits so dunkel sein, dass die Lichtspuren deutlich erkennbar wurden aber noch hell genug, dass die Lichter nicht überstrahlten.
  • Wegen der relativ großen Entfernung mussten möglichst viele Fahrzeuge unterwegs sein, um möglichst viel Licht auf die Strecke zu bringen. Deshalb war die Zeit des Berufsverkehrs naheliegend.
  • Zur Befahrung des dargestellten Streckenabschnitts benötigt ein Fahrzeug ca. 2 Minuten. Um eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung zu erhalten, sollt die Belichtungszeit deshalb mindestens 2 Minuten betragen. Versuche ergaben bei 10 Minuten Belichtungsdauer das gewünschte Ergebnis. Hierzu wurde ein ND-Filter eingesetzt.
  • Der große Helligkeitsunterschied zwischen dem Abendhimmel und den schattigen Waldhängen musste ausgeglichen werden. Dies machte den Einsatz eines Grauverlauffilters (GND 0.9) erforderlich.

Schwäbischer Vulkan

Der Calver Bühl ist ein kleiner Schlot des Schwäbischen Vulkans bei Dettingen an der Erms. Dort kann man den Vulkanismus, der im Tertiär über ca. 6 Millionen Jahre aktiv war, modellhaft erleben. Es gibt heute nur wenige Stellen auf der Schwäbischen Alb, an denen der harte Kern eines Vulkanschlots an der Oberfläche sichtbar ist. Der Calver Bühl ist einer davon. Hier steht die Schlotschmelze als massiver Fels an. Da der Tuffschlot härter ist als das Umgebungsmaterial, wird der Calver Bühl durch Erosion aus dem rückschreitenden Albtrauf herauspräpariert. Das Ergebnis ist ein kleiner Vulkansporn, ein Kegelberg wie aus dem Bilderbuch. Auch vom Trauf aus ist die Kegelform des Calver Bühl sehr gut zu erkennen.

Ein Ausflug zum Calver Bühl lohnt sich, denn in der Umgebung gibt es noch mehr zu erkunden. So erkennt man im Bild unten links die Metzinger Weinberge, die gerade im Herbst fantastische Farben hervorbringen. Das vulkanische Gestein des Jusi-Ausläufers in Verbindung mit der Südhanglage beschert den Reben beste Bedingungen und dem Wein eine erstaunliche Qualität.

Von der Spitze des Calver Bühls genießt man die Aussicht auf Dettingen und das Ermstal. Gegenüber erkennt man den Jusi, der nach dem Randecker Maar mit rund 1000 m Durchmesser den zweit größten Schlot des Schwäbischen Vulkans stellt. Vom Wanderparkplatz bei Kohlberg führt ein geologischer Lehrpfad auf den Jusi und beschert dem Wanderer nicht nur tolle Ausblicke, sondern auch Einblicke in die Geologie der Schwäbischen Alb.

Für Interessierte hier noch einige Informationen zum Schwäbischen Vulkan: Nein, der Schwäbische Vulkan ist nicht die Sparausgabe eines Vulkans, also kein „Vulkänle“, sondern eine vulkanisch aktive Zone, die sich vor rund 17 Millionen Jahren über das Gebiet des heutige Kirchheim Teck und Bad Urach ausdehnte. In einem Umkreis von 56 km ließen sich bislang über 350 Vulkanschlote nachweisen die alle dem Schwäbischen Vulkan zugeordnet werden. Aufgrund tektonischer Bewegungen kam es im Zusammenhang mit der Auffaltung der Alpen auch zu Spannungsrissen und Verwerfungen im Bereich der Mittleren Alb. Dort stieg Magma auf, erhitzte wasserführende Schichten und führte so zu gewaltigen Dampfexplosionen, die das Deckgebirge durchschlugen. Dabei bildeten sich Schlote von 10 bis 1000 m Durchmesser. Diese wurden durch Tuff und einstürzendes Deckgestein verfüllt. In der Folge bildeten sich Maare. Vor 11 Millionen Jahren endeten diese vulkanischen Aktivitäten. Heute sind noch etliche vulkanische Erscheinungen an der Oberfläche sichtbar. Hierzu zählen das Randecker Maar, die Limburg bei Weilheim, der Jusi bei Kohlberg, der Georgenberg bei Reutlingen und eben der Calver Bühl bei Dettingen, um nur einige Beispiele anzuführen.

Im letzten Licht

Der Kornbühl mit der Salmendinger Kapelle ist auch im letzten Licht der herbstlichen Abendsonne eine Aufnahme wert. Der „Härtling“ ragt rund 100 m aus der Hochfläche der Schwäbischen Alb heraus und rückt die Kapelle ins Licht während der Fuß des Berges bereits im Schatten der Traufkante liegt. Sogenannte Härtlinge haben eine besonders harte Gesteinsformation als Deckschicht, die sich der Erosion widersetzt, so dass das Umland schneller abgetragen wird. Auf der Alb und am Albtrauf sind dies häufig die aus Schwammriffen gebildeten Massenkalke (Weißjura delta). Härtlinge erinnern daran, dass die Alb einst viel mächtiger war.