Am Skagerrak

Inzwischen hatten wir die Fähre für die Rückfahrt im Internet gebucht. Von Larvik wollten wir nach Dänemark übersetzen. Nahe Sandefjord (südwestlich von Oslo) steuerten wir deshalb einen letzten Campingplatz an. Die Campingplätze, toll an der Schärenküste gelegen, waren zu unserer Überraschung vergammelt und schlecht geführt. Wir hatten dies so noch nirgends in Norwegen erlebt.

Anderntags besuchten wir noch das Städtchen Stavern, das für seine historischen Werftanlagen bekannt ist und zu den schönsten Ortschaften entlang der Küste zählt. Im alten Ortsteil haben sich zahlreiche Künstler angesiedelt. Diese hatten sogar für allerlei Insekten den Roten Teppich ausgerollt.

Mein Interesse galt jedoch den Werftanlagen. Der dänische König Federik V. errichtete hier in Stavern einen Marinestützpunkt. Ab 1750 wurden dazu die größten Werftanlagen des Landes aufgebaut.

Bereits beim Schlendern durch die Zitadelle zeigt eine Boots-Installation, dass hier heute Künstler und Bootsbauer beheimatet sind. Das Holzboot-Monument „Fredsskipene“ (Friedensschiffe) des Künstlers Päivi Laakso bildet einen Kontrapunkt zu den Kriegsschiffen, die hier bis 1814 vom Stapel liefen.

Der norwegische Ansatz zur Denkmalpflege „neues Leben in historische Gebäude“ brachte den Holzbootsbau in die alten Werfthallen zurück. In einer dieser Hallen ist der Verein „Kystlaget Fredriksvern“ untergekommen, der sich seit 1994 um den Erhalt der Küstenkultur kümmert und historische Holzboote restauriert und wartet. An bis zu 8 Holzboote kann hier gleichzeitig gearbeitet werden, erzählte mir ein Vereinsmitglied. Als ich durchblicken ließ, dass ich selbst schon Holzkanus gebaut habe, entwickelte sich ein richtiges Fachgespräch.

Am Hafen kann man dann das prachtvolle Ergebnis dieser Arbeit bestaunen. Eine absolute Augenweide! Gut, dass sich jemand um den Erhalt dieser Bootsbautradition kümmert.

Einladung

Diese Veranstaltung lohnt sich in jedem Fall! Vesper einpacken und kommen. Es gibt so gigantische tolle Fotoschauen zu sehen, wie

  • die „Pilze“ von Erich Schlotterbeck, der mit gestackten Makroaufnahmen Pilze bis unter 2 mm Größe formatfüllend auf die Leinwand zaubert und damit die Tradition des großen Karlheinz Baumann im PCR fortsetzt.
  • und viele andere wie: Pausa, Dünen von Swakopmund oder Lebensweisheiten, um nur einige wenige aufzuführen.

Das Programm ist jedenfalls sehr vielseitig, mal lustig, mal informativ. Also raus aus der Bude und ab zum Echaz.Hafen in Reutlingen!

Entlang der E6

Ab Juni trifft man die hoch aufragenden Lupinen recht häufig. Die aus Nordamerika stammende Pflanze verbreitet sich gerne auf sonnigen Brachflächen und Lichtungen. Dort bildet sie zum Teil ausgedehnte Standorte und begeistert mit ihren hoch farbenprächtigen Kerzen. An Straßenböschungen wird sie auch zur Hangsicherung angepflanzt.

Am Trondheimsfjord angekommen bogen wir einmal mehr von der E6 ab. Auf der Halbinsel Inderöya fanden wir oberhalb der Ortschaft Straumen bei der Sakshaug Kirche einen optimalen Platz für die Mittagspause. Wir genossen die Ruhe und die herrliche Aussicht über den Trondheimsfjorden.

Reisetipp 1: Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass sich außerhalb oder am Rande von Ortschaften liegende Kirchen sehr häufig als ruhige Pausen- oder Übernachtungsplätze eignen.

Die Vorläuferkirche wurde 1180 errichtet. Als 1871 auf Inderöya eine neue Kirche gebaut wurde, hat man das Gebälk der alten verkauft. Die Kirche war dem Verfall preisgegeben. Erst 1910 wurde mit der Renovierungsarbeiten begonnen. Diese dauerten aber bis in die 50er-Jahre an.

Wir waren nun den 4. Tag auf der E6 in Richtung Süden unterwegs. Allerdings bogen wir immer wieder von der Hauptroute ab, um die Umgebung zu erkunden oder für eine längere Pause.

Reisetipp 2: Hier bietet es sich an, einen Blick auf die ganze Strecke und die erforderliche Fahrzeit zu werfen, zumal sich selbst unter eingefleischten Nordlandfahrern „Weisheiten“ aus längst vergangenen Tagen hartnäckig halten.

Gerade jene preisen als schnellste Route zwischen Oslo und Tromsö die 1740 km lange Strecke über Mittelschweden an, die auch Google mit gut 22 Std Fahrzeit als schnellste Verbindung ausweist. Dennoch, es ist schlicht falsch.

Ich habe in den letzten drei Jahren alle Routen, auch die Ostsee-Route befahren, und kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die vom ADAC ausgewiesene direkte Route über die E6 mit 1618 km die kürzeste und mit rund 21,5 Std. Fahrzeit – zumindest außerhalb der Saison – auch die schnellste ist.

Doch wovon reden wir eigentlich? Was ist der Sinn solcher Diskussionen, die in unterschiedlichen Foren immer wieder geführt werden? Für mich gelten bei Reisen andere Kriterien für die Routenwahl. Natürlich wird man im Rahmen einer Reiseplanung auch immer wieder auf eine kurze und schnelle Streckenführung achten, aber kommt es bei einer Strecke von rund 1700 km auf eine halbe Stunde theoretisch errechneter Fahrzeit an?

Ich kann die Route über die E6 nur empfehlen. Sie ist wesentlich abwechslungsreicher als der Weg durch Mittelschweden, wo man durchaus auch mal den ganzen Tag durch Moore und Wälder fahren kann. Entlang der E6 wechseln sich hingegen landschaftlich genutzte mit alpinen Regionen und Küsten mit Wäldern ab. Eines sollte man jedoch wissen: Obgleich die E6 auch heute schon gut ausgebaut ist (als ich 1976 auf dieser Strecke zum ersten Mal unterwegs war, sah das noch völlig anders aus), wird nördlich von Trondheim über hunderte von Kilometern eine neue Trasse angelegt. Hier kann es während der Hauptreisezeit durchaus zu Stauungen kommen.

Abschließend möchte ich festhalten: Wer es drauf anlegt kann von Oslo nach Tromsö durchfahren. Solchen Blödsinn habe ich in jungen Jahren auch gemacht. Selbst auf zwei Tage verteilt, ähnelt die Streckenbewältigung eher einem Blindflug, denn einer Reise. In 3 Tagen ist die Strecke ohne größere Pausen gut zu bewältigen. Ab 4 Tagen bleibt Zeit für Besichtigungen und ab 5 Tagen sind Abstecher links und rechts der Route möglich.

Auf Abwegen

Wir waren nun den dritten Tag auf der E6 in Richtung Oslo unterwegs. Am Nachmittag beschlossen wir einen Übernachtungsplatz abseits der Hauptroute zu suchen. Die 773 brachte uns nach Osten. Selten, dass uns ein Fahrzeuge entgegenkam. Nach kurzer Strecke entdeckten wir einen Elch beim Äsen. Es war der neunte, den wir auf dieser Fahrt zu Gesicht bekamen und der erste, der sich die Zeit für ein Foto nahm. Kaum war der Elch weg kam der große Schreck. Ich hatte den Einstellungsbereich für den Autofokus an meinem Tele nicht kontrolliert. So wurden die Bilder nicht absolut scharf. Dennoch wenigstens ein „Belegbild“.

Nach Querung des Steinfjellet erreichten wir den Limingen, einen der größten Binnenseen Norwegens, in dessen Umfeld sich auch kleinere Seen in die Landschaft schmiegen.

Am andern Morgen ging es die 363 am See entlang bis zur Einmündung in die 764. Jetzt im Sommer war tote Hose angesagt aber im Winter steppt hier offensichtlich der Bär.

Auf dem Rückweg zur E6 passierten wir diese alte Tankstelle. Deutlicher hätte der Hinweis darauf, dass sich in dieser Ecke Fuchs und Hase gute Nacht sagen, nicht ausfallen können.

Rätselhaft

Bei diesen Bildern handelt es sich um die Schlieren von Pollen, wahrscheinlich von Kiefern oder Fichten. Diese haben bei Windstille in der Bucht eines Fjordes die schwache Oberflächenströmung abgebildet. Der später einsetzende Wind zerstörte diese abstrakten Kunstwerke.

Mosjöen, Altstadt zum Staunen

Einst als Industriestandort verrufen, ist Mosjöen heute für seine Altstadt bekannt. Die Rettung der Stelzenhäuser am Fluss und der Holzhäuser in der Sjögata ist die Erfolgsgeschichte einer gelungenen Bürgerinitiative.

Als die Stelzenhäuser in den 70er-Jahren abgerissen werden sollten, um ein Kaufhaus zu errichten, legten sich die Bürger von Mosjöen quer und verhinderten das umstrittene Projekt.

Viele dieser Häuser sind heute renoviert und werden als Wohnhäuser oder Feriendomizil genutzt. Überall findet man idyllische Ecken und Winkel, oder alte Bänke, die zum Verweilen einladen. Ein Rundgang durch das Viertel ist ein Genuss und man spürt förmlich die Entschleunigung.

Heute steht die historische Altstadt unter Denkmalschutz. Als eines der größten Holzhausareale Norwegens hat es sich zu einem Besuchermagnet entwickelt, der die Touristen nach Mosjöen bringt.

In der Sjögata, der „Hauptstraße“ des Viertels, befinden sich zahlreiche Cafes, Kunstgewerbeläden und Souvenirshops, aber auch Wohnhäuser. Das Viertel lebt und ein bisschen auch der Kitsch.