Eine faustdicke Überraschung

27. August 2021

Unweit von Kvikkjokk fanden wir am bewaldeten Seeufer ein Quartier für die Nacht. Die ersten Sterne zeigten sich bereits und es hatte merklich abgekühlt, als ich mich in unseren Camper zurückzog. Mehr reflektorisch überprüfte ich noch meine Polarlicht-App. Was ich da sah, war nicht zu fassen. Halb Schweden war rot eingefärbt. Rot bedeutet eine Polarlichtwahrscheinlichkeit von über 50%. Das hatte ich bei meiner Winterreise auf die Lofoten nie erlebt. Also gleich wieder raus. Tatsächlich, am Himmel zeigten sich kaum wahrnehmbare, ausgedehnte, wolkenartige Schleier schwankender Helligkeit. Von Farbe keine Spur. Das riss natürlich keinen vom Hocker, aber ich wusste, dass Polarlichter häufig unscheinbar beginnen. Da braucht man Geduld oder wie mein Freund Roland gerne sagt: „Ein guter Jäger muss warten können.“

Und das Warten hat sich gelohnt!

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Kvikkjokk

27. August 2021

Die kalte Nacht zauberte am Morgen wieder stimmungsvolle Nebelschwaden.

Heute bogen wir hinter Jokkmokk von der E45 auf eine Stichstraße in Richtung Westen ab. Diese brachte uns nach Kvikkjokk, einer Häuseransammlung am südöstlichen Rand des Sarek Nationalparks. Kvikkjokk ist Knotenpunkt der berühmten Fernwanderwege Kungsleden und Padjelantaleden. Doch lassen sich von hier aus auch kleinere Touren unternehmen.

Die Flüsse Gamajahka (Bild oben) und Darrejahka ergießen sich bei Kvikkjokk in den Tjamodisjavrre und bilden dabei einen ausgedehnten Schwemmfächer. Für Wanderer ein unüberwindliches Hindernis. Deshalb sichert ein Bootstaxi die Verbindung zwischen den einzelnen Wegabschnitten. Ein einträgliches Geschäft. Doch in zwei Monaten muss man sich hier auch den Lebensunterhalt fürs ganze Jahr verdienen.

Für den Nachmittag hatte ich mir eine kleine Tour vorgenommen. Um 14 Uhr fuhr ich mit dem Bootstaxi zuerst zum Pickup Point des südlichen Kungsleden. Dort musste eine Gruppe Wanderer abgeholt werden, die schon seit Tagen unterwegs war.

Danach wurde ich am Trailhead zu meiner Tour auf den Nammasj abgesetzt. Drei Stunden für 350 Höhenmeter und diverse Fotostopps mussten reichen. Für 18 Uhr vereinbarten wir die Rückfahrt.

Anfänglich ging es durch dichten Fichtenbestand auf gut erkennbarem Pfad aufwärts.

Schnell lichtete sich der Baumbestand. Eine Zone von Krüppelbirken folgte, die aber bald schon dem Heidekraut, anderen Stauden, Moosen und Flechten das Feld überlassen mussten. Über felsige Passagen war der Weg nur an Steinmännchen zu erkennen. Als Orientierungshilfe diente mir die kostenlose App „Sweden Topo Maps“, die eine offline GPS-Navigation bietet.

Der letzte Wegabschnitt eröffnete fantastische Ausblicke auf das Mündungsdelta. Im warmen Licht der Nachmittagssonne erstrahlten die Gelb- und Grüntöne des Schwemmlandes und bildeten einen genialen Kontrast zum Himmelsblau, das von den Wasserflächen reflektiert wurde.

Vom Gipfel aus genoss ich den Blick hinüber auf das mit Neuschnee überzuckerte Fjäll des Sarek Nationalparks.

Kaum dass ich wieder an der Aussatzstelle zurück war, sah ich das Bootstaxi um die Flussbiegung kommen. Pünktlich waren sie, das muss man ihnen lassen.

Lappland

Auf dem Inlandsvägen, der E45, kommt man zügig in Richtung Norden voran. Auf der gut ausgebauten Straße erinnert nichts mehr an die längst vergangenen Tage der Schotterpisten.

Wald, Wasser und Moore bilden die vorherrschenden Landschaftsformen.

Entlang der schwach befahrenen Straße wird man von so mancher tierischen Begegnung überrascht. Einmal musste ich abbremsen, um nicht einen Auerhahn zu überfahren, der hoch erhobenen Hauptes die Straße überquerte. Immer wieder entdeckten wir Kraniche, die in den Mooren auf Nahrungssuche unterwegs waren.

Spätestens als wir den Polarkreis erreichten wurde klar, dass hier im Norden die Saison gelaufen war. Selbst die Samen, die an derartigen Parkplätzen stets ihre üblichen Verkaufsschlager anbieten, hatten ihre Zelte abgebrochen und der Cafe-Betreiber vertröstete seine potenzielle Kundschaft mit einem Schild auf das „next year“.