Westliche Schärenküste

5. September 2021

Zwischen Göteborg und der norwegischen Grenze, in der Provinz Bohuslän, liegt Schwedens beeindruckendste Schärenküste. Wir erreichten diese fantastische Landschaft bei Grebbestad.

Zu erwähnen ist, dass die Saison zu dieser Jahreszeit in Skandinavien längst beendet ist. Dies hat den Vorteil, dass vergleichsweise wenig Reisende unterwegs sind. Während der Saison steht man sich hier wohl auf den Füßen. Doch sollte man bei seiner Reiseplanung berücksichtigen, dass einige Campingplätze bereits geschlossen haben und es für freies Campen an diesem Küstenabschnitt nur selten Möglichkeiten gibt. Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich in der Regel hingegen auch in den Besucher- / Jachthäfen.

Auf dem Inlandsvägen nach Süden

In Strömsund erreichten wir wieder die E45, den Inlandsvägen. Auf dem Weg nach Süden wird der Wald nun häufiger von landwirtschaftlichen Flächen abgelöst.

Dennoch spielt die Holzwirtschaft eine zentrale Rolle. Nachfolgend einige Aufnahmen von einem Betrieb, der Rundhölzer verarbeitet und imprägniert. Ein Baustoff, der in Schweden in riesigen Mengen benötigt wird.

In Östersund, am Storsjön gelegen, erreicht man dann das erste richtige urbane Zentrum. Hier kreuzt die E14, die dem Tal des Indalsälven nach Norwegen folgt. Ältere Leser werden sich noch an den Ausnahmeskiläufer Ingemar Stenmark erinnern, der im Slalom über viele Jahre die Weltcupszene beherrscht hat. Er kommt aus Are, einem Wintersportort in dieser Region.

Unser Interesse galt der Frösö-Kirche, die im 12. Jahrhundert in aussichtsreicher Lage auf der Insel Frösö errichtet wurde. Die Steinkirche mit freistehendem Glockenturm ist eine Wallfahrtskirche auf dem Olafsweg nach Trondheim.

Von der Bushaltestelle an dieser Kirche stammt auch die Aufnahme aus dem Beitrag „Bus Stop to Heaven“. Hier das Original.

Kvikkjokk

27. August 2021

Die kalte Nacht zauberte am Morgen wieder stimmungsvolle Nebelschwaden.

Heute bogen wir hinter Jokkmokk von der E45 auf eine Stichstraße in Richtung Westen ab. Diese brachte uns nach Kvikkjokk, einer Häuseransammlung am südöstlichen Rand des Sarek Nationalparks. Kvikkjokk ist Knotenpunkt der berühmten Fernwanderwege Kungsleden und Padjelantaleden. Doch lassen sich von hier aus auch kleinere Touren unternehmen.

Die Flüsse Gamajahka (Bild oben) und Darrejahka ergießen sich bei Kvikkjokk in den Tjamodisjavrre und bilden dabei einen ausgedehnten Schwemmfächer. Für Wanderer ein unüberwindliches Hindernis. Deshalb sichert ein Bootstaxi die Verbindung zwischen den einzelnen Wegabschnitten. Ein einträgliches Geschäft. Doch in zwei Monaten muss man sich hier auch den Lebensunterhalt fürs ganze Jahr verdienen.

Für den Nachmittag hatte ich mir eine kleine Tour vorgenommen. Um 14 Uhr fuhr ich mit dem Bootstaxi zuerst zum Pickup Point des südlichen Kungsleden. Dort musste eine Gruppe Wanderer abgeholt werden, die schon seit Tagen unterwegs war.

Danach wurde ich am Trailhead zu meiner Tour auf den Nammasj abgesetzt. Drei Stunden für 350 Höhenmeter und diverse Fotostopps mussten reichen. Für 18 Uhr vereinbarten wir die Rückfahrt.

Anfänglich ging es durch dichten Fichtenbestand auf gut erkennbarem Pfad aufwärts.

Schnell lichtete sich der Baumbestand. Eine Zone von Krüppelbirken folgte, die aber bald schon dem Heidekraut, anderen Stauden, Moosen und Flechten das Feld überlassen mussten. Über felsige Passagen war der Weg nur an Steinmännchen zu erkennen. Als Orientierungshilfe diente mir die kostenlose App „Sweden Topo Maps“, die eine offline GPS-Navigation bietet.

Der letzte Wegabschnitt eröffnete fantastische Ausblicke auf das Mündungsdelta. Im warmen Licht der Nachmittagssonne erstrahlten die Gelb- und Grüntöne des Schwemmlandes und bildeten einen genialen Kontrast zum Himmelsblau, das von den Wasserflächen reflektiert wurde.

Vom Gipfel aus genoss ich den Blick hinüber auf das mit Neuschnee überzuckerte Fjäll des Sarek Nationalparks.

Kaum dass ich wieder an der Aussatzstelle zurück war, sah ich das Bootstaxi um die Flussbiegung kommen. Pünktlich waren sie, das muss man ihnen lassen.

Höga Kusten 1

21. August 2021, Högakusten: Abseits der E4, der Transitroute nach Norden, sichteten wir wieder einmal ein sehr schönes Gehöft. Diesmal hielt ich an, um zu Fotografieren. Als der Besitzer bemerkte, dass jemand mit Kamera um sein Grundstück pirschte, sattelte er sein Quad und sah nach dem Rechten. Was folgte war ein sehr nettes Gespräch und die Einladung, sein Haus auch aus der Nähe fotografieren zu dürfen. Vor 20 Jahren, erzählte er, hätten sie den alten Hof, der lange leer stand, gekauft und vollständig renoviert. Energetisch ist er mit einer großen Fotovoltaikanlage und dem Brennholz aus dem eigenen Wald unabhängig. Inzwischen 77 Jahre alt, freut er sich täglich über sein herrliches Anwesen und wenn ihn seine Enkel aus Stockholm oder England besuchen kommen.

Wieder auf der E4 passierten wir bei Utansjö die Brücke über den Angermanälven. Die Högakustenbron ist mit 1867 m Länge und einer Spannweite von 1210 m eine der längsten Brücken Schwedens. An der Tragekonstruktion der Brücke wurden gerade Kontrollarbeiten durchgeführt. Bei ordentlichem Wind hingen Arbeiter an Seilen in luftiger Höhe. Sicher ein gewöhnungsbedürftiger Arbeitsplatz.

Unser erstes Ziel an der Hohen Küste war Fällsvikshamnen, eine Ansammlung alter Fischerhütten. Hier hatt der Aufkauf alter Hütten und deren Ausbau zu Feriendomizilen wohl erst begonnen. Neubauten an den Berghängen waren bereits mehrere vorhanden.

Altes Blech

Nördlich von Sundsvall trafen wir einen amerikabegeisterten Autonarren. Ein netter Kerl, der voll auf die Sprit fressenden alten Straßenkreuzer abfuhr. Das Haus dahinter hatte er bereits zum Abriss vorbereitet. Dort sollte ein neues Haus entstehen und insbesondere eine große Garage.