Die Passage

Gestern Abend hatte ich bei meinem späten Stadtrundgang durch Metzingen zufällig 😉 Foto und Stativ dabei. Auf der Suche nach Schatten wurde ich, der untergehenden Sonne sei Dank, in dieser Passage fündig.

Zum vergrößern anklicken.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburgs Geburtsstunde ist wohl auf das Jahr 1142 zu datieren, als König Konrad III, der erste Staufer, eine Burganlage vom Grafen von Komburg erwarb und die „Rote Burg“ erbaute. 1241 wurde die befestigte Stadt Rothenburg mit Markt erstmals erwähnt.

Die verschachtelten Dächer der Stadt werden vom Rathausturm weit überragt. Von seiner Aussichtsplattform in 52 m Höhe, zu der man über eine enge Wendeltreppe gelangt, genießt man einen tollen Rundblick über die Altstadt. Zu Füßen des Turmes liegt der Marktplatz mit dem 1446 erbauten Marktplatzbrunnen, der wegen seiner Säule auch St. Georgs Brunnen genannt wird. Die Aufnahme vor der Fassade der Marienapotheke zeigt, wie wohlhabend die Reichsstadt noch im 15. Jahrhundert war. So konnte sich Stadt und Kirche damals mehrere Altäre von Tilman Riemenschneider leisten. Nirgendwo sonst, wie hier in und um Rothenburg, gibt es eine vergleichbare Dichte dieser hochkarätigen Schnitzkunst.

Entlang der Herrengasse erblickt man die Franziskanerkirche und das Burgtor, das die Stadt gegen Westen begrenzt. Vor dem Tor liegt der Burggarten auf einer Aussichtskanzel hoch über dem Taubertal. Der Niedergang Rothenburgs begann im 16. Jahrhundert, beschleunigte sich durch die Wirren des 30-jährigen Krieges und die Neuordnung Mitteleuropas durch Napoleon lies die Stadt dann vollends in der Bedeutungslosigkeit versacken. Vielleicht war dies auch Rothenburgs Glücksfall, denn so blieb vieles in seiner Ursprünglichkeit erhalten und mit dem Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz 1873 setzte der Tourismus ein, der das mittelalterliche Enseble international bekannt machte.

Der Marktplatz bildet das Zentrum der Stadt und damit auch für den Tourismus aus aller Welt. Jede Menge Hotels, Kneipen und Cafes buhlen um die Gunst der Besucher – jedoch nur bei Tage. Rothenburg hat es nicht nötig seine Gäste auch nach 21 Uhr zu bedienen. Wer hier nicht aufpasst, klemmt seinen Fuß am Gehsteig ein, wenn dieser am Abend plötzlich hochgeklappt wird. Wir hatten Mühe in Erfahrung zu bringen, dass es in der ganzen Stadt sage und schreibe ein Lokal mit normalen Öffnungszeiten gibt, das Rock Cafe. Aus unserer Sicht eine klare Empfehlung. Ab 22 Uhr war die Kneipe proppenvoll (wen wudert´s?) und die Stimmung super gut.

Doch Rothenburg besucht man ja nicht wegen der Kneipen, und in der Tat, die mittelalterliche Szenerie ist einzigartig. Deshalb gehört ein Rundgang auf der vollständig erhaltenen Stadtmauer auch zum Pflichtprogramm. Vom Wehrgang aus hat man immer wieder herrliche Blicke auf die Stadt.

Von der Stadtmauer aus lässt sich auch das eine oder andere Detail entdecken. Doch nicht alles was man sieht ist original. Denn durch einen amerikanischen Luftangriff Ende März 1945 waren 45% der Altstadt zerstört worden. So erfolgte z. B. der Wiederaufbau der Gerlachschmiede – das auffällig geformte Haus oben – erst 1951.  Entlang der Stadtmauer sind Spender aus aller Welt dokumentiert, die sich nach dem zweiten Weltkrieg am originalgetreuen Wiederaufbau der Stadt beteiligt haben. Diese Spenden bildeten die Grundlage für den neuerlichen wirtschaftlichen Aufschwung Rothenburgs.

Abschließend noch zwei kritische Anmerkungen:

An jeder Ecke werden die „Schneeballen“, ein im Fränkischen verbreitetes Gebäck aus Mürbeteig, als Spezialität angeboten. Vielleicht war ja das Cafe schlecht, aber bei unserem Test fiel dieses absolut staubtrockene Etwas glatt durch.

In idyllischer Lage, unter schattigen Bäumen direkt am Ufer der Tauber, befindet sich das klassische Gartenlokal „Unter den Linden“. Die Vielzahl der Biertische zeigt, dass man hier mit hohen Besucherzahlen rechnen muss. Als wir den Biergarten am frühen Abend aufsuchten war zum Glück nicht viel los. Beim Bestellen am Tresen musste man seinen Vornamen angeben. Im Abstand von einigen Minuten trat dann die Küchenchefin vor den Ausschank und rief: „Essen für Agate!“ oder „Til dein Essen!“. Doch der erste Eindruck, dass die Sache flutscht, täuschte. Für ein belegtes Brötchen musste ich weit über eine halbe Stunde warten, bis mich der erlösende Aufschrei, „Essen für Horst“, aus der Lethargie riss. Längst hatte ich mich damit abgefunden, heute hungrig ins Bett zu gehen. Wenn das Lokal voll gewesen wäre, nicht auszudenken. Das Bier hat man Gott sei Dank direkt am Ausschank bekommen.

Fazit: Die Stadt ist toll und lohnend, der Tourismus zeigt jedoch erkennbare Überhitzungserscheinungen. Offensichtlich tragen die Tagestouristen genügend Geld in die Stadt, so dass man ein wirkliches Bemühen um die Gäste nicht nötig hat.

Bahnprojekt Stuttgart – Ulm

Zwischen Wendlingen und Ulm überwindet die Bahn auf einer neuen Trasse die 500 m des Albaufstiegs meist im Tunnel. Doch der tiefe Einschnitt des Filstales bei Wiesensteig zwingt zum Brückenbau.

In 85 m Höhe soll die neue Brücke das Tal auf 480 m Länge überspannen.

Gebaut wird im freien Vorschub und mithilfe von Behelfspfeilern.

Die Schalung hat eine gewaltige Dimension. Unter ihr erkennt man im Hintergrund den Albaufstieg der A8.

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Der Photoclub Reutlingen hatte die Gelegenheit, auf der Baustelle zu fotografieren. Das letzte Bild zeigt eine Röhre des Boßlertunnels. Mit 8,8 km Länge ist dieser der längste Tunnel dieses Bauabschnitts.

Zum Bau der Brücke werden benötigt: 55.000 t Beton, 7.700 t Stahl sowie 800 t Spannstahl und das alles für 53 Millionen €. Nach Fertigstelung sollen die Züge mit 250 km/h über die Brücke donnern.

Die Brückenpfeiler recken sich wie Raketenabschussrampen in den Himmel.

 

 

Die Treppe

Im Rathausturm zu Rothenburg ob der Tauber schraubt sich eine eng gewickelte Wendeltreppe steil nach oben. Über 220 Stufen führt sie die Besucher auf die Aussichtsplattform in 52 m Höhe. Dort angekommen, wird man mit einer phantastischen Aussicht belohnt.

Handytest im Lechtal

Neulich war ich mit einem Freund im Lechtal zum Kajak fahren. Um ihn nicht zu langweilen, blieb die Fotoausrüstung zuhause. Das Smartphon kam natürlich mit, man muss ja erreichbar bleiben. Und gleich am ersten Abend wurde dann das erste „Neidbild“ von der vordergründigen Idylle verschickt.

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Als wir uns im Hornbachtal, einem Seitental zum Lech, umschauten, ergab sich dann die Gelegenheit, das Smartphon auf seine Eignung Bilder zu machen, zu testen.

Am Smartphon lässt sich ja so gut wie nichts einstellen. Das ist der Grund weshalb so viele damit fotografieren und das häufig auch noch mit einer Hand. Dies ist aber auch der Grund, weshalb es bei anderen verpönt ist.

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Klar ist, dass das Smartphon bei ausgewogenen Kontrasten keine größeren Probleme hat.

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Das sieht bei einem großen Kontrastumfang ganz anders aus und dazu braucht es nicht einmal solcher Extreme.

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Dies führt dazu, dass das Weiß der Wolken gerne „ausreißt“, auch wenn man sich Mühe gibt, eine brauchbare Belichtung zu erwirken. Doch wie das, wenn man nichts einstellen kann? Durch Drehen oder Kippen des Smartphons kann man in Verbindng mit dem Standort über die Verteilung der hellen und dunklen Bildanteile entscheiden und so die Belichtung steuern. Im Anschluss an die Aufnahme lässt sich das Ergebnis ja sofort beurteilen und ggf. korrigieren.

Nicht vergessen sollte man, dass ein Smartphon mit einem Weitwinkelobjektiv ausgestattet ist. Deshalb sollte man auch die Grundlagen der Weitwinkelfotografie zur Anwendung bringen, wenn man einigermaßen vernünftige Ergebnisse haben möchte.

Der Fuchs geht um!

Neulich abends, es war noch hell, drang es beim Abendessen wie ein Schlachtruf an mein Ohr: „Ein Fuchs, hier direkt auf der Terrasse!“ Ein junger Fuchs war am Fenster vorbei um die Ecke gebogen und hatte sich direkt vor der Terrasse gemütlich in den Rasen gesetzt. Er blickte entspannt in die Runde, nichts schien ihn zu verunsichern.

Als ich endlich den Fotoapparat einsatzbereit hatte, saß der Jungfuchs noch immer an derselben Stelle. Durch die geschlossene Terrassentür kam ich auf 5 m zum Schuß. Wie jung das Füchslein ist sieht man, wenn man das Fell genauer unter die Lupe nimmt (hierzu das Bild einfach anklicken). Die Deckhaare, die später das flaumige Fell der Jungtiere ersetzen werden, sind noch sehr schütter.

Als ich das Haus verließ, um zu einer besseren Schussposition zu kommen, zog sich der Kleine, der offensichtlich alleine auf Erkundungstour war, zum Kompost zurück. Nach einem kurzen Blickkontakt suchte er zielstrebig, aber ohne Eile, das Weite. Ich hatte da nur noch das Nachsehen.

Die Füchse haben wahrsceinlich schon beim alten Neandertaler gelernt, vom Menschen zu profitieren. Heute machen sie es sich an Siedlungsrändern, in Parkanlagen und auf Friedhöfen bequem. Während die Jungtiere wegen ihres trolligen Aussehens noch freudig zur Kenntnis genommen werden, wird den alten Tieren mit Argwohn begegnet. Als sich vor wenigen Jahren zahlreiche Füchse in unserer Stadt breit machten und selbst tags auf der „Einkaufsmeile“ nach den Sonderangeboten äugten, verlangten nicht wenige Bürger das Einschreiten der Stadtverwaltung. Ihre fast panische Sorge galt weniger den zahlreich entwendeten Schuhen, sondern dem Fuchsbandwurm. Deshalb ging es dem Fuchs dann auch an den Kragen und es kehrte Ruhe ein in den Vorgärten der Stadt. Nun scheint sich der Bestand wieder erholt zu haben.

 

Weitere Fuchsaufnahmen siehe unter Strandfüchse

Die Tuffstein Toscana

Viele Städte der südlichen Toscana sind auf Tuffstein und aus Tuffstein gebaut. Sowohl die in dieser Region vorkommenden Thermalquellen als auch der  damit einhergehende Kalktuff gehen auf eine rege vulkanische Tätigkeit zurück, die vor ca. 300 000 Jahren ihren Höhepunkt in gewaltigen Vulkanexplosionen fand. Diese führten zum Einsturz einer riesigen Caldera, die den heutigen Lago di Bolsena formte.

Für die Besiedlung dieser Region ergab sich daraus ein typischer Verlauf. Da sich Kalktuff leicht bearbeiten lässt, wurde die Region bereits während der Jungsteinzeit besiedelt. Hiervon zeugen zahlreiche Höhlenwohnungen. Auch Flüsse und Bäche hatten leichtes Spiel und schnitten kühne Felsplateaus aus der Hochebene heraus. Diese strategisch günstigen Plätze nutzten bereits die Etrusker für ihre Ansiedlungen. Gegen Ende des ersten Jahrtausends n. Chr. entstanden dann an diesen Orten mittelalterliche Städte, die im Verlauf der weiteren Jahrhunderte eine wechselvolle Geschichte durchliefen.

Heute zählen viele dieser Orte zu den herausragendsten Zeugnissen des frühen Mittelalters, die Italien zu bieten hat. In St. Martino sul Fiora legten wir unseren ersten Halt ein, um das gleichnamige Kirchlein zu besichtigen. (Bilder zum Vergrößern anklicken.)

Vom Vorplatz der Kirche überblickt man die Maremma, von der im Mittelalter wegen der Malaria für viele Orte eine existenzbedrohende Gefahr ausging.

Unsere nächste Station war der Ort Sovana, heute noch ein absoluter Geheimtipp, da die touristische Erschließung kaum vorangeschritten ist. Wie es sich gehört auf einem Kalktuffplateau errichtet, bietet dieser überschaubare Ort den vollständig erhaltenen, modellhaften Aufbau einer mittelalterlichen Stadt. Der Zugang zur Stadt wurde von der Burg Rocca Aldobrandesca überwacht, ab 935 Herrschaftssitz des Adelsgeschlechts Aldobrandeschi.

Auf Backsteinpflaster im Fischgätmuster verlegt, das zum Teil noch original vorhanden ist, geht es zur Piazza del Pretorio, der von einem vollständigen, mittelalterlichem Ensemble umrahmt wird. Hierzu gehören u. a. die Residenz des Hauptmanns, der Archivpalast mit Stadtverwaltung und Glockenturm, die Kirche Santa Maria.

Folgt man dem weiteren Verlauf einer der Gassen,

gelangt man zum Dom St. Peter und Paul, der das Ende der Stadt markiert. Die Kathedrale zählt zu den bedeutendsten Monumenten im romanisch-gotischen Stil, die Italien zu bieten hat.

Die Säulen und deren Kapitelle zählen zu den Besonderheiten des Bauwerks, das ab Mitte des 9. Jh. errichtet wurde. Der Kirchenbau ist wohl im Zusammenhang damit zu sehen, dass Sovana ab dem 4. Jh. Bischofssitz war und bei der Christianisierung der Region eine zentrale Rolle spielte. Sovana war auch Geburtsort des Hildebrand von Sovana, der im 11. Jh. zum Papst Gtegor VII. ernannt wurde. Man könnte noch viel zu diesem kleinen Flecken schreiben, doch der Bogen ist so schon überspannt.

Weiter ging es nach Pitigliano, einer Stadt, deren geniale Lage für sich selbst spricht.

Den Abschluss dieser kleinen Rundfahrt, für die man sich auch eine Woche Zeit nehmen könnte, bildete das Städtchen Manciano.

 

Mehr Toscana siehe: Toscana, Herbst in der Toscana, Strandfüchse, Düstere Aussichten, Giardino dei Tarrocchi, Faszination Toscana: Siena, Vom Chianti in die Maremma, Faszination Toskana: Massa Marittima, Cascade del Mulino, Saturnia

Cascade del Mulino, Saturnia

Nach zahlreichen Staus zwischen Genua und Livorno sind wir ohne weitere Probleme im Süden der Toscana angekommen. Das auf einem Tuffsteinfels erbaute Städtchen Saturnia gilt als erste etruskische Ansiedlung Italiens. Wie zahlreiche andere Orte der Toscana ist auch Saturnia für seine Thermalquellen bekannt. Unterhalb des Ortes gibt es außer dem kostenpflichtigen Thermalbad die Cascade del Mulino, die zu jeder Tages- und Nachtzeit frei zugänglich ist. 800 Liter schwefelhaltigen Thermalwassers mit 37 Grad Celsius speißt hier ein Wasserfall in die darunter liegenden Kalksinterbecken ein. Von der Straße, die den Gegenhang erklimmt, hat man einen herrlichen Blick auf die mehrstufig angeordneten Naturbadewannen, in denen sich vortrefflich suhlen lässt.

Der erste Versuch von diesen Sinterbecken Langzeitbelichtungen anzufertigen scheiterte ob der zahlreichen Badegäste. Deshalb unternahm ich anderntags morgens um 6:30 Uhr einen zweiten Versuch. Und in der Tat, anfangs war ich fast alleine. Doch bereits ab 7:30 Uhr setzte ein merklicher Zustrom ein, so dass ich gegen 8 Uhr gelassen zum Frühstück gehen konnte. Mit den Ergebnissen bin ich nicht ganz zufrieden. Die starke Dampfentwicklung in den kühlen Morgenstunden beeinträchtigte die Auswahl der Standorte ebenso wie die bereits hinterm Schilfgürtel aufgegangene Sonne. Auch muss ich mit der Belichtungszeit noch experimentieren, um optimale Ergebnisse zu erhalten. Hier einige Resultate.

Doch diese Aufnahmen haben nichts mit der Realität zu tun, die wir am Samstag antrafen. Die Kaskaden sind Kult, absoluter Kult! Man kann es nicht glauben, man muss es erlebt haben, welche Massen sich hier zum geselligen Miteinander einfinden. Und das überwiegend Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung. Suhlen als große Massenveranstaltung, kein Flashmob, keine Aktion sozialer Netzwerke, einfach nur so!

 

Mehr Toscana siehe: Toscana, Herbst in der Toscana, Strandfüchse, Düstere Aussichten, Giardino dei Tarrocchi, Faszination Toscana: Siena, Vom Chianti in die Maremma, Faszination Toskana: Massa Marittima, Saturnia 2